Monday, 24 November 2008

Schnee!

Die weiße Pracht ist da! Noch, muss man leider sagen, denn in den nächsten Tagen wird sie sich vorraussichtlich einer wundersamen Metamorphose in einen graubraunen Matsch unterziehen. Vulgär gesagt der Durchfall des Himmels.

Am Wochenende war in Orivesi Chorlager mit Dominante. Nach einer relativ kurzen Nacht mit Sauna wurde am Sonntag weiter geprobt, dann ging es mit dem Reisebus nach Tampere. Im dortigen Dom (mit genialen Malereien von Hugo Simberg) führten wir Salvat 1701 (Jaakko Mäntyjärvi) ein weiteres Mal auf. Leider war das Publikum kleiner als sonst, das Stück aber umso feiner. Wir haben in letzter Zeit viel daran geschliffen. Langsam funkelt der Diamant! Und draußen schneite es, in Tampere wie in Helsinki

Nach dem schönen Wochenende ging es heute gleich weiter mit den Proben... die reguläre Montagsprobe. Und eine Tenorprobe im Januar wurde festgelegt - in der Nacht davor komme ich aus Deutschland zurück. Was ein Glück! Die kindliche Vorfreude stellt die auf Weihnachten ganz in den Schatten, hehe.

Heute abend haben wir Wahlen im Chor und von derem Verlauf wird vermutlich auch die Dauer meines Studiums abhängen. Ein Amt, in das ich vielleicht gewählt werde, nimmt viel Zeit in Anspruch. Aber noch ist alles offen, auch, ob ich überhaupt zur Wahl antrete. Zwar wird am Ende immer demokratisch entschieden, aber zunächst sprechen die möglichen Kandidaten untereinander ab, wer am Sinnvollsten in Frage kommt. Die Wahlversammlung verspricht auf jeden Fall, nett zu werden, denn es gibt Essen, Bier und Sauna in großartiger Gesellschaft nebenbei und später hauptsächlich. Schon allein deshalb freu ich mich darauf.

Tuesday, 11 November 2008

Wellington (28. - 30.10.2008)

Eine weitere Station auf dem Weg nach Wellington war, mehr oder weniger, Picton. Von der kleinen Stadt sahen wir allerdings nicht viel, wir fuhren direkt an den Hafen. Hier verließen wir die Südinsel und fuhren drei Stunden lang mit einer Interislander-Fähre auf die Nordinsel. Bye bye!
Die Überfahrt war nicht uninteressant. Vor Picton liegen einige Inseln, und sowohl Wellington, als auch Picton liegen in einer Bucht. Dadurch war lange Land zu sehen.
Auf der knapp 300 Menschen plus Autos und LKW transportierenden Fähre gab es Manches zu tun: es gab ein Kino, einen kleinen überteuerten Kiosk, ein Bistro mit akzeptablen Preisen und deftigen warmen Mahlzeiten, viel Außendeckfläche, eine Bar mit guten neuseeländischen Weinen und einer urigen jammenden Jazzband in der Ecke, und zu meiner Freude auch Arbeitsnischen mit Leselampen, Steckdosen und bequemen Polsterstühlen. Ehrlich gesagt habe ich große Teile dieses Reisetagebuches dort geschrieben. Bei der Ankunft gingen wir nach draußen, um die südlichste Hauptstadt der Welt in der angebrochenen Nacht glitzern zu sehen. Ein schöner Anblick! Und eine ßtaife Briiese! Der Wind war gerade so warm, dass die Kälte nicht schmerzhaft war. Da kann man nicht klagen! Die Stimmung war ausgelassen.

Der nächste Tag begann nach dem gemeinsamen Frühstück mit einem Besuch des neuseeländischen Nationalmuseums Te Papa (Our Place), welches nur einige hunder Meter von der Jugendherberge entfernt am Ufer liegt. Das Museum ist großartig! Ein großes, modernes Gebäude, in dem zum jedem erdenklichen Thema in Neuseeland etwas zu finden ist. Auf drei gewaltigen Stockwerken sind die verschiedenen Ausstellungen - zum Beispiel über Naturgewalten in Neuseeland, Tier- und Pflanzenwelt, Schaffung der neuseeländischen Identität, Immigration, etc. - sehr multimedial und für jedes Alter geeignet eingerichtet. Es fehlt wirklich an Nichts: sogar ein kleiner botanischer Garten draußen und eine Kunstausstellung im obersten Stockwerk sind vorhanden. Dementsprechend lang streunten wir einzeln durch das Museum. Erst als der Magenhunger den Wissensdurst vollends übertönte, machten wir uns auf meinen Vorschlag hin gemeinsam in Richtung Cuba Street auf.

Die Cuba Street ist eine hippe Staße, bestehend aus alternativen Boutiquen, Plattenläden sowie Küche aus aller Welt. Nahe dem westlichen Ende waren auch Massagesalons und Läden mit verhangenen Schaufenstern zu sehen.
Nach einem preiswerten Burrito ging ich, teils noch in Begleitung, die ganze Straße entlang. Ich betrat viele Läden, und bekam insbesondere in Sachen Kleidung und Design manches Nette zu sehen. Ich kaufte allerdings nichts, die Preisschilder beeindruckten nämlich auch.

Von der Cuba Street wechselte ich elegant auf den Lambdon Quay. Dieser stellt mit seinen Hochhäusern und Mainstreamläden ein wichtiges Geschäfts- und vor allem Einkaufszentrum Wellingtons da. Hier gab es keine besonders ausgefallenen Läden mehr. Erstmalig sah ich in Neuseeland richtige Hochhäuser!

Über den Lambdon Quay kam ich zum Parlament, welches aufgrund seiner Form Beehive, also Bienennest genannt wird. In dessen unmittelbarer Nähe befanden sich außerdem die Nationalbibliothek (mit furchtbar kurzen Öffnungszeiten), das Nationalarchiv, der neue Dom sowie Old St. Paul's, eine im neogotischen Stil komplett aus einheimischem Holz erbaute ehemalige Kathedrale. Leider war es schon kurz nach fünf, und die Kirche gerade geschlossen, so dass ich sie nur von außen bestaunen konnte. Toni hatte, wie er später erzählte, mehr Glück gehabt. Er war rechtzeitig gekommen.

Mit langsam müde werdenden Beinen wählte ich den Rückweg am Meer entlang, wie ich es am Morgen auf der Karte geplant hatte. Er entpuppte sich als eine gelungene Wahl! Angenehm war auch, dass man auf der Uferpromenade nicht alle fünf Meter auf das langsame Ergrünen einer Ampel warten musste.
Am Ende meines Uferweges, schon nahe bei der Jugendherberge erwartete mich als grande finale der genial gestaltete Platz vor dem Civic Centre: dort sind einige Außenkunstwerke, zum Beispiel eine archaisch verzierte hölzerne Brücke und eine aus metallenen Farnwedeln geformte "schwebende" Kugel zu bestaunen.

Der Rest des Tages bestand aus der Wiederversammlung und dem gemeinsamen Abendessen in der Jugendherberge. Diesmal wurde nichts gekocht, stattdessen gab es leckeren Obstsalat in rauhen Mengen. In Neuseeland schmecken nicht nur die Kiwis besser. Besonders seien Ananas und Avocado erwähnt!



Te Papa.

Cuba Street.

Das Parlament, links das Beehive.

Architektur im Regierungsviertel.

Old St. Paul's.

Blick auf die Bucht.


Kunst... mir mal nen Euro leihen?

Brumm brumm.

Ilkka übt für Mt. Cook.

Kaikoura (28.10.2008)

Das Dorf Kaikoura, gelegen auf einer Landzunge an der Ostküste, deren Form an die einer Waalschwanzflosse erinnert, war eine Art Zwischenstation auf dem Weg nach Wellington. Wir hatten eine Whale Watch-Bootstour gebucht. Sehr touristisch! In schnellen Katamaranen rasten etwa 70 Touristen und eine stattliche Mannschaft über den Rand des Kontinentalschelfs hinaus. Dort, im etwa 1200 Meter tiefen Wasser gehen Pottwale (auf englisch heißen sie lustigerweise sperm whale) auf etwa 40-60 Minuten lange Tauchgänge, bevor sie wieder einige Minuten zum Atmen auftauchen. Vor Kaikoura lassen sich auch andere Wale sehen, aber scheinbar nicht zu dieser Jahreszeit. Diese wären zum Beispiel Südkaper (southern right whale) und Blauwale (blue whale). Geortet werden die tonnenschweren Tiere mit einem Hydrophon, welches den von ihnen ausgehenden Schall wahrnimmt, und von der Mannschaft, die nach den ausgespienen Wasserfontainen Ausschau hielt. Die Schiffe fahren löblicherweise nur bis auf etwa 15 Meter an die über zwanzig Meter langen Tiere an der Oberfläche heran. Sie nähern sich dabei auch nur so, dass der Wal sie sehen kann, damit er nicht nervös wird. Da treibt das Tier dann wie ein grauer Felsen, sprüht Wasser in die Höhe und taucht irgendwann ab, wobei es die Schwanzflosse nachzieht - das berühmte Bild. Wir sahen zwei verschiedene Wale jeweils zwei Mal. Im Grunde ist eine Sichtung wie die andere, ohne Teleobjektiv ließen sich auch keine interessanten Fotos machen. So genoss ich eher die majästetische Ruhe, welche die Tiere ausstrahlten.
Wir bekamen zwar keine anderen Wale mehr zu sehen, wohl aber Albatrosse, welche innerhalb von 24 Stunden 1000 Kilometer segeln können, andere Vögel, sowie neuseeländische Seebären (fur seal).
Als wir nach der Tour mit den Autos gerade abfuhren, blickte ich den Strand herunter auf den offenen Pazifik hinaus, als ich plötzlich im flachen Wasser eine Bewegung wahrnahm. Und so erblickten wir bei genauerem Hinsehen alle auch noch einen Delfin. Wozu in die Ferne schweifen, sieh! das Gute liegt so nah.

Ein abtauchender Pottwal.

Das Hydrophon.

Ein Albatross - schwimmend sehen sie eher dick aus, da sie ihre riesigen Flügel geschickt zusammenfalten.

Friday, 7 November 2008

Christchurch (26. - 28.10.2008)

Auch die lange Fahrt nach Christchurch ging zunächst noch durch malerisch verschneite Landschaften. Langsam kamen wir in trockenere und wärmere Gebiete. In Christchurch selbst, welches an der Ostküste liegt, war es sommerlich bei über 20 Grad. Zum ersten Mal hatte ich in Neuseeland das Gefühl, in einer richtigen Stadt zu sein. ChCh hat 400 000 Einwohner. Den Abend nach der Ankunft verbrachten wir wie gewohnt mit Entspannen und gemeinsamem Kochen.

Der nächste Tag begann mit einem ausgedehnten Besuch des Antarctic Centre. Nur Teile Südamerikas liegen näher an der Antarktis als Neuseeland; von Christchurch zur neuseeländischen Forschungsstation Scott Base auf dem Kontinent sind es schlappe 3000 Kilometer. Auch die USA verwenden Christchurch als Tor zu ihrer, der neuseeländischen sehr nahe gelegenen Basis McMurdo Station. Aus gutem Grund liegt das Antarctic Centre neben dem internationalen Flughafen.
Es handelt sich um ein modernes Museum für alle Altersstufen, mit sehr gelungenen Animationen und Videos auf zahlreichen Bildschirmen. Auch dürfen viele Ausstellungsstücke wie zum Beispiel Expedititionsausrüstung und Steine aus der Antarktis ausdrücklich angefasst werden.
Es gibt einen gekühlten Raum mit Schnee, in dem ein antarktischer Sturm simuliert wird. Als gestandene Finnen konnten wir natürlich nur müde lächeln... bis uns die Mundwinkel einfroren. Kleiner Spaß, die Temperatur betrug stabile -8°C und man bekam eine Jacke. Besonders für die kleinen Gäste gibt es auch ein Pinguingehege. Die Tiere gehörten der Rasse Little Blue. Um 14:00 wurden sie von einem liebevollen Pflegerpaar mit stinkenden kleinen Fischen gefüttert. So stelle ich mir den Geruch von garum (auch liquamen genannt) vor.

Alles in allem bot das Antarctic Centre eine sehr lehrreiche und unterhaltsame Exkursion.

Nach einem vitaminreichen gemeinsamen Mittagessen in der Herberge gingen wir die Stadt in kleinen Splittergruppen erkunden, zum Teil auf sehr ähnlichen Routen. Viele wollten sich dem Sonnenschein keine Sekunde entziehen und gingen direkt in den großen botanischen Garten, der von einem noch größeren "normalen" Park umgeben ist. Ich folgte dem Rat meines Reiseführers, der einen Besuch des Arts Centre, einem neogotischen Gebäude voller Kunst- und Kunsthandwerkboutiquen, empfahl. Da ich ein großer Freund von Kunsthandwerk sowie immer auf der Suche nach stilvollen Artefakten bin, und das Art Centre direkt auf dem Weg zum Park lag, stattete ich ihm noch einen gründlichen Besuch ab. Toni begleitete mich. Sehr empfehlenswert! Auch traditionelle Māorikunst ist vertreten, wenngleich nicht besonders stark.
Anschließend spazierten auch wir lange durch den botanischen Garten und genossen Sonne, blauen Himmel, Baumriesen, bunte Blüten und den Kanal mit seinen kleinen Ausflugsgondeln alla Venezia. Aufgrund der enormen Größe der Grünfläche war es auch nicht weiter verwunderlich, dass wir von den anderen keine Spur sahen.
Anschließend statteten wir dem Domplatz einen Besuch ab. Der Dom ist ebenfalls neogotisch in grau gehalten - typisch Christchurch. Da es auf dem zentralen Platz nicht viel zu sehen gab, zumal der Dom bereits geschlossen war, und da Christchurch ein Liebling asiatischer Touris ist, hielt es uns dort nicht lange.
Zum gemeinsamen Abendessen fanden sich alle wieder in der Herberge ein. Heute war frühes Schlafen angesagt, denn am nächsten Tag mussten wir bereits gegen acht abfahren, um die Fähre auf die Nordinsel zu erreichen.

Die Fahrt nach dort oben war echt ein Nervenkitzel... einen halben Meter vom Rad entfernt geht es stellenweise fast senkrecht runter. Und von Leitplanke keine Spur!

Ilkka wirft einen Schneeball.

Esko der Māori. (Esko ist ein finnischer Name.)

Mt. Hutt mit Skizentum.

Vielerorts standen die Schafe auch doppelt so dicht.

Hei hei!

Zur Lage der Nation.

Seebär, zum Glück ausgestopft.

Christchurch. Rechts die Schienen der historischen Straßenbahn, unter der Brücke die Avon, im Hintergrund links der neogotische Dom.

Neogotik in Christchurch.



Botanischer Garten Christchurch.

Eingangshalle der Kunstgalerie.

Sunday, 2 November 2008

Mount Cook (24. - 26.10.2008)

Am nächsten Morgen reisten wir weiter zum Mt. Cook. An dieser Stelle möchte ich etwas von den Autofahren erzählen. Wir reisen in zwei bei der neuseeländischen Firma Apex gemieteten, metallisch-blauen Subaru. Als Fahrer fungieren Team Elina/Ilkka und Team Ilona/Aleksi, denen wir internationale Führerscheine gekauft haben. An das Linksfahren haben sie sich schnell gewöhnt. Die Kommunikation zwischen den Autos wird durch ein Paar Walkie Talkies ermöglicht.

Unterwegs machten wir Halt in einem Ort namens Wanaka. Dort aßen wir eine Kleinigkeit zu Mittag und Toni, Sofia und ich kauften uns in einer Boutique mit modernen Symbolen handbedruckte Hemden. Ein erstes stilvolles und ganz in Neuseeland hergestelltes Souvenier.

Kurz vor dem Ziel kamen wir an einen glasklaren See, den Lake Pukaki. Fast alle zogen die Schuhe aus und wateten im das kalte (für finnische Verhältnisse) beziehungsweise eisige (für mitteleuropäische Verhältnisse) umher. Der Strand sowie der Grund bestanden aus großen, rundgeschliffenen Kieseln, auf denen es sich gut laufen lies.

In der Nähe des Mount Cook (Aoraki) liegt ein kleines Dorf aus geschätzten 30 Häusern, mit eigener Schule. Dort wohnten wir die zwei Nächte in der Jugendherberge, die ebenfalls den Namen des berühmten Berges trägt. Erstmals hatten wir ein Zimmer alle zusammen, anstatt der üblichen Kombination 4 (Männer) + 5 (Frauen). Die Herberge war, wie alle anderen bisher, sehr gemütlich. Es gab sogar zwei brauchbare Gitarren zu meiner Zerstreuung sowie eine kleine Sauna. Zugegeben, letztere ware ein Trauerspiel - böse Zungen würden sagen: eine schwedische Sauna. Sie hatte weder Umkleide noch Vorraum, so dass man eine der Duschen auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges belegen und dann im Handtuch rüberstiefeln musste. An der Tür und über dem Ofen hingen Hinweisschilder, die vor einem Explodieren (wörtl. blow up) des Ofens warnten, sollte man Wasser auf die Steine werfen. Bei geschätzten 60 knochentrockenen Grad wärmten Toni und ich uns am zweiten Abend auf; warum das nötig war, berichte ich noch. Immerhin lernte ich in der warmen Stube eine sehr interessante, intellektuelle Frau aus Israel kennen. Sie reiste mit ihren zwei erwachsenen Töchtern, die sich angeblich ständig kabbelten,s quer durch's Land. Ich hatte mich ihr ursprünglich als from Finland vorgestellt und mich aufgrund ihrer Kultur (sie sprach viel über ihre jüdische Religion) danach nicht getraut, meine Nationalität zur Sprache zubringen. Ich denke, sie hätte kein Problem damit gehabt, dass ich Deutscher bin, aber ich hatte Angst, dass die Unterhaltung ohne unseren Willen von ihrer fröhlichen Natur abdriften könnte. Manchmal fühlt man sich scheinbar verpflichtet, mit dem anderen über etwas zu reden, obwohl keiner besonders Lust darauf hat. Eine merkwürdige Situation, die ich im Nachhinein selbst nicht mehr ganz nachvollziehen kann.

Da es im Dorf keinen Supermarkt oder Kiosk gibt, vertreibt die Rezeption der Herberge akzeptable Lebensmittel zu fairen Preisen. Am Tag der Ankunft machten wir gemeinsam Essen und gingen früh schlafen, denn am nächsten Tag trafen wir uns bereits um acht Uhr mit Charlie Hobbs.

Charlie betreibt mit seiner Frau die einzige Gaststätte im Ort, den Old Mountaneer, der 2003 von keinem Geringeren als Sir Edmund "Ed" Hillary eröffnet wurde. Außerdem sind beide Bergführer. Unsere Gruppe hatte bei ihm eine Runde Glacial Lake Kayaking, also Kayak fahren auf einem Gletschersee, gebucht. Um acht ging es also los: zusammen mit Charlies Assistentin aus den USA fuhren wir in einem Kleinbus zehn Minuten an das Ende des Hooker Valley, wo eine beliebte Wanderstrecke (Hooker Track) beginnt. Es waren einige Leute mehrerer Nationalitäten unterwegs, Rucksacktouristen, aber die Sorte mit etwas größeren Rucksäcken, zu deren Inhalt auch schon mal ein Zelt gehört. Wir bekamen Schwimmwesten und Spritzdecken, wanderten ein paar hundert Meter erst den Weg entlang, dann einen Trampelpfad durch die Wildnis, und erreichten schließlich den Müllersee, gelegen unter dem Müllergletscher. Die Kayaks lagen unter felsfarbenen Planen (aus ästhetischen Gründen). Nach ihrer Bereitmachung und einer kurzen Einweisung Charlies ging es auf den kleinen See.
Das Wasser war blau und wäre kristallklar, würden nicht Gletscherbäche kontinuierlich schneller pulverisiertes Gestein eintragen als dieses sedimentieren kann. So schwimmt Steinmehl sichtbar im Wasser und verleiht ihm eine silbergraue Farbe. Es ist trotzdem trinkbar und schmeckt köstlich. Bei einer Temperatur von 0,5°C ist es auch recht erfrischend.
Ständig hörte man es rumpeln, was mal dumpfer und mal krachender klang. Nein, keine Militärübungen oder Kaninchen mit Magenverstimmungen - Lawinen. Oft konnten wir sie auch sehen: ein Teil des Hanges bröckelte ab und Eis und Schnee stoben zu einer gewaltigen Wolke auf. Charlie zeigte uns verschiedene Stellen des Sees, Zu- und Abläufe; erklärte, wo der Gletscher Gestein im Tal ablieferte; kleine Eisberge mit Einschlüssen von Jahrhundertealter Luft usw..
Am Schönsten fand ich, als er uns um Stille bat, damit wird den tausend Jahre alten Gletscher hören konnten. Und tatsächlich: ein pausenloses Geknackse und Geknirsche, immer wieder übertönt von einer kleinen Lawine. Unter dem See ist übrigens ebenfalls Eis.

Nach der Kayakfahrt nutzten wir die zwei ausgebauten kurzen Wanderwege, die im Dorf begannen. Einer führte auf einen Berg, der andere durch einen Wald auf einer Bergflanke. Als Dauer waren zwei beziehungsweise eine Stunde angegeben. Trotz extensiver Photographie schafften wir beider schneller. Toni, Aleksi und ich liefen als einzige beide Wege, angefangen mit dem Berg. Wir hatten gerade den Bergpfad verlassen und den Wald betreten, als das Wetter umschwang. Charlie hatte davor gewarnt; deshalb waren wir auch so früh auf den See gefahren. Dichte Wolken schoben sich unglaublich niedrig ins Tal über dem Dorf, vom strahlenden Sonnenschein blieb nichts. Ein Wind mit sturmartigen Böen zog auf.

Wir kamen - wie geplant - genau rechtzeitig zur Happy Hour im Old Mountaneer an. Bei einem Bierchen beschlossen Aleksi, Toni und ich, noch ins zwanzig Autominuten entfernte Tasman Valley zu fahren, wo es ebenfalls kurze Wanderstrecken gab. Von dort lässt sich außerdem ein Blick auf einen der größten Gletscher Neuseelands, den Tasman Glacier, werfen.
Während wir dies planten, hatte es draußen bereits begonnen, zu regnen. Wir waren allerdings der Ansicht, dass dies den überwältigen Charakter der Bergnatur nur betonen könne - außerdem wollten wir ja nur befestigte kurze Wege begehen. Wir gingen also zur Herberge, zogen zusätzliche Schichten, Handschuhe, feste Schuhe sowie Mützen an und fuhren los. Mittlerweile fiel der Regen gefroren zu Boden. Als wir an den Blue Lakes vorbei und eine steinige Endmoräne hinauf zum Aussichtspunkt marschierten, hatten wir den Wind im Rücken. Der dicht und fast waagerecht fallende Graupel schränkte die Aussicht auf den Tasman Glacier erheblich ein. Sie reduzierte sich darauf, dass wir einige große Eisberge auf einem See ausmachen konnten. Mit großer Sicherheit befindet sich auch unter diesem See meterdickes Eis, wir zogen die Möglichkeit in Betracht, dass die Eisberge vor unseren Augen nicht frei schwammen, sondern Kontakt zum Eis darunter hatten. Der Abstieg war, wie erwartet, unangenehm, denn nun mussten wir gegen den Wind ankämpfen, der uns Eisstückchen wie Rasierklingen entgegenschleuderte. Nein, keine Verletzungsgefahr, aber ein Gefühl auf den kalten Wangen, welches irgendwo in der Nähe eines Tripelpunktes zwischen "Lustiges Kitzeln", "Unangenehmes Stechen" und "Schneidender Schmerz" anzuordnen ist. Die Augen mit einer Hand schützend kämpften wir uns vorwärts. Auch meine Sonnenbrille leistete gute Dienste. Es war einfach großartig! Auf der Rückfahrt durch das dichte Gestöber merkten wir, dass der langsam in Schnee changierende Niederschlag liegen blieb. Wir aßen im Mountaneer ein deftiges Abendessen (ich: Pizza mit Lachsstücken), Toni und ich wärmten uns anschließend noch in der oben besungenen Sauna auf, danach gingen wir schlafen.
Am Morgen lag eine klebrige Schicht Schnee auf der kaum wiederzuerkennenden Landschaft, der Himmel war wieder klar. Es war merkwürdig, gemäßigten Regenwald, der trotzdem irgendwie tropisch anmutet, in Schnee und Eis versunken zu sehen!

Pause.

Deeeeeeehnen.

Pause in Wanaka.

Ich oben, Rest unten. Wer findet ihn?

Lake Pukaki.

Gestrüppsel.

Geysir im Gänsemarsch.

Lawine am Müller-Gletscher.

Gletschersee.

Mt. Cook.

Bergwanderung, unten links das Dorf.

Ein Gletscher.

Links Tasman Glacier, rechts Aleksi, überall Hagel.

Tasman Valley vom Beifahrersitz aus.

Jugendherberge Mt. Cook.

Schnee am Morgen. Kommt da ein Eiswagen???