Friday, 31 October 2008

Te Anau (22. - 24.10.2008)

Um zehn Uhr brachen wir auf und fuhren zwei Stunden nach Te Anau. Dort verbrachten wir zunächst einen ruhigen Abend, der Jetlag war allerseits noch deutlich spürbar.
Am nächsten Morgen standen wir früh auf. Um acht fuhren wir los an die Westküste, eine Fahrt von gut zwei Stunden, auf der man auch durch den hässlichen, dunklen und engen, unter größtem Aufwand und sogar dem Preis mehrerer Menschenleben von 1935 bis 1954 gebauten Homer Tunnel fährt. Auf der Fahrt im Nationalpark Fiordland sahen wir Landschaften, die alle zuvor gesehenen an extremen Kontrasten noch in den Schatten stellten. Gemäßigte Regenwälder (hauptsächlich aus bemoosten Birken und Farnen bestehend), Gletscher, gigantische Berge, Weiden, trockene Grassteppen, Buschländer, Seen. Westlich der Südlichen Alpen, die sich in Nord-Süd-Richtung über die Südinsel erstrecken, gibt es viel orografischen Regen. Das Jahresniederschlagsmittel beträgt an der Küste teilweise 6000 mm und mehr. Östlich des Gebirges ist es deutlich trockener, daher die Steppenlandschaften. Wir machten so manchen Halt und viele Photos.
An der Westküste fuhren wir mit einem der vielen Ausflugsschiffe den Milford Sound bis an die Tasmanische See herunter. An unserem Boot war nett, dass es etwas kleiner war als die meisten anderen, und das wir praktisch als einzige oben auf dem Deck standen und so eine wunderbare Rundumsicht hatten. Der Milford Sound ist ein Fjord, also durch Gletscheraktivität während Eiszeiten entstanden. Er ist eine enorm faszinierende Landschaft: die ihn eingrenzenden Berge sind bis in eine große Höhe mit dichtem Regenwald bewachsen, obwohl sich ihre Felswände zum Teil fast senkrecht erheben und von so gut wie keinem Erdreich bedeckt sind. Der Regenwald besteht auch hier vorwiegend aus den oben genannten Birken, Farnen und jeder Menge Moos, die allerdings in anderen Anteilen vertreten sind: unter den gegebenen Wachstumsbedingungen ist es kein Wunder, das kleinere Gewächse leichter Halt und Nahrung finden. Ab und zu kommt es vor, das ein Teil der Bewaldung von der Felswand abrutscht; analog zum Schnee nennt sich so etwas treffend eine Baumlawine. Besonders nahe der Mündung des Fjords sonnen sich Seelöwen auf den Felsen.
Wir besuchten Milford Sound an einem sonnigen Tag mit traumhaften Wetter. Nur in etwa zehn nennenswerten Wasserfällen prasselte Regenwasser aus den Bergen in den Fjord. Wenn es, was ständig vorkommt, wie aus Kübeln schüttet, werden die trockenen Schneisen im Wald - wie wir sie zu sehen bekamen - zu reißenden Strömen. Wäre sicher auch sehenswert.
Auf dem Rückweg fuhr das Schiff noch nahe an einen flachen, steinigen Strand. Dort hampelten einige Pinguine herum. Sehr lustige Tiere. Ich träumte von einem Teleobjektiv.

Ganz zuletzt besuchten wir noch die im Fjord gelegene Unterwasseraussichtskapsel (was an der Fauna im Wasser des Milford Sound so besonders ist und warum, wird ein eigener Blogeintrag). Über eine Treppe gelangten wir acht Meter unter die Oberfläche; durch zentimeterdicke Acrylglasscheiben (Made in Germany) begafften wir das lebendige Treiben im eiskalten Wasser. Die Fenster müssen übrigens alle paar Tage geputzt werden. Da hilft Alles nichts: Der lustige, adrette Mann mit Lockenkopf, der die Besichtigung führte, muss sich in ein Taucherkostüm zwängen und mit Bürste und Schamm in die düstere Brühe hüpfen.

Auf der Rückfahrt nach Te Anau machten wir auf einem der zahlreichen Rastplätze mit Aussicht eine lustige Begegnung: die seltenen und für ihr schalkhaftes Auftreten bekannten grünen neuseeländischen Papageien machten ihrem Ruf alle Ehre. Sie hüpften auf unseren Autos herum - wobei sie im Übrigen sichtbare Kratzer fabrizierten - quäkten schrill herum und blinzelten zum Fenster rein. Von Menschenscheu kann keine Rede sein, wenngleich sie einen bemerkenswerten Sicherheitsabstand von einem knappen Meter zu uns hielten und es nicht zu mögen schienen, wenn man diesen nicht einhielt. Wir rätselten, wie gut die Tiere wohl können. Ihre ausgeprägten unerwartet farbenfrohen Flügel verwendeten sie stets nur für ein kurzes Gleiten. Anonsten schienen sie lieber herumzuhüpfen.

Damit war der Tag noch nicht zu Ende: kurz nach der Rückkehr brachen wir erneut auf, diesmal zum Seeufer. Dort brachte uns ein Ausflugsschiff über den Lake Te Anau zu einer berühmten Höhle, bekannt vor allem dafür, dass in ihr eine einzigartige Glühwürmchenart lebt. Zu besichtigen ist nur ein winziges Stück der Höhle, quasi der Eingang. Drinnen ist es keineswegs trocken: der Bach, der die im geologischen Maßstab junge Höhle ursprünglich in den Kalk- und Sandstein gefressen hat, donnert immer noch durch sie hindurch in den See. Zunächst liefen wir ein Stück über einen stilvoll angebrachte Stahlgitter - abwechselnd unter und neben uns der Bach. Unser Führer, ein sympathischer Mann in den Zwanzigern namens Jake, der ein bisschen aussah wie ein Hobbit, musste sich in der Höhle die Seele aus dem Leib schreien, um bei dem Gedröhne gehört zu werden. Wo der Bach breit wurde und langsam floss erreichten wir einen Kai und ein rechteckiges Aluminiumboot mit Stoßdämpfern aus Gummi rundherum, wie man es aus Vergnügungsparks kennt. In diesem fuhr uns Jake, der uns um absolute Stille bat und alle Lichter löschte, durch den weiteren zugänglichen Teil der Höhle. Dies tat er, indem er auf dem Bootsrand stand und sich an einem Stahlseil vorwärts zog. Hatten wir vorher schon Glühwürmchen in der Höhle gezeigt bekommen, sahen wir sie jetzt ohne Jakes Fingerzeig: schwach grünliche Pünktchen an der Decke und den Wänden - fast wie Sterne - in losen Gruppen zu etwa zehn Tieren angeordnet. Regungs- und geräuschlos hängen sie da und leuchten sich ihren Weg entlang des Pfades der Evolution. Schön!
Anschließend gab es Kaffee und Tee, welche ich allerdings verpasste, weil ich stattdessen den kurzen Naturlehrpfad durch den Regenwald sehr gründlich fotografierend absolvierte.

Frühling in Te Anau.

Auf der Fahrt nach Fiordland.



Gemäßigter Regenwald.







Milford Sound.


Kea.

Lake Te Anau.

Tuesday, 28 October 2008

Queenstown (21. - 22.10.2008)

In Queenstown hatten wir noch kein organisiertes Programm. Wir schauten uns ein bisschen in der kleinen Stadt mit sehr interessanten Einfamilienhäusern, die kunterbunt und modern mit viel Holz und Glas gestaltet über die Bergflanken gesprenkelt waren, um. Straßen, in denen die Gebäude Seite an Seite stehen, gibt es nur ein paar in Queenstown; das Zentrum sozusagen.

Queenstown.

Wir aßen - sehr stilecht - mexikanisch. Bei wunderbarem Wetter saßen wir anschließend noch ein wenig am malerischen Seeufer herum.

Das Seeufer.

Der Baum, auf den wir später kletterten.

Ilkka, Toni und ich kletterten in einen Baum, dessen massive Äste über den See ragten, und tranken darin fläzend neuseeländisches Bier. (Überraschend gut!)

Sunday, 26 October 2008

NZ08 - Von Suomi nach Aotearoa.

Am Samstag vor dem Abflug nach Neuseeland ging ich gegen neun ins Bett, um vorm Antritt der langen Reise wenigstens sieben Stunden geschlafen zu haben. Allerdings konnte ich, teils aufgrund der so entstehenden Vorverlegung meines gewohnten Schlafrythmuses, teils aufgrund der Aufregung vor der Reise partout nicht einschlafen, so dass aus den sieben Stunden nur etwa zwei wurden...

Einkaufszentrum Munkkivuori, 05:15.

Am Flughafen Helsinki Vantaa ist das Leben sehr unkompliziert und so saßen wir rechtzeitig im Flugzeug nach London Heathrow. Drei Stunden, die ich größtenteil Schlafschulden abstotternd verbrachte. In London waren etwa sieben Stunden Zeit, bis der "eigentliche" Teil der Reise, nämlich Flug NZ001 über Los Angeles nach Auckland, begann. Deshalb war ich enorm verblüfft, als die Gruppe nach unserer Ankunft nicht den Ausgang, sondern direkt den Transitbereich für Anschlussflüge ansteuerte. Da ein paar schon durch die Sicherheitskontrolle gegangen waren, konnte ich erst drinnen meinen Vorschlag zum Ausdruck bringen, doch nach London City zu fahren, anstatt sieben Stunden lang an diesem öden Flughafen totzuschlagen. Toni sah das auf Anhieb genau so, wir konnten noch Sanni, Sofia und Aleksi für unseren kleinen Metropolen-Stoßtrupp gewinnen. Ilkka, Elina, Ilona und Anni entschieden sich, am Flughafen zu bleiben.

In der Nähe des Buckingham Palace.

Mit der Metro fuhren wir zur Station Green Park (45 min hin, 55 min zurück), spazierten gut zwei Stunden entspannt durch die Innenstadt und schauten uns einige der Standardsehenswürdigkeiten an (Big Ben, Buckingham Palace, Houses of Parliament, Trafalgar Square etc.), aßen gut bei Subway, und waren überpünktlich zurück am Flughafen, mit dem Gefühl, genau das Richtige getan zu haben. -> Abflug.

Trafalgar Square, London.

Die nächsten 11 Stunden vergingen. Wie, weiß ich nicht genau, aber sie packten es irgendwie ohne mein Zutun. Ich schaute ungefähr zwei Filme auf meinem Bildschirm (The Queen, Die Reifeprüfung mit Dustin Hoffman sowie Teile von irgendeinem Indiana Jones und so), schlief eher wenig, las, hörte ein bisschen Musik und aß und trank gut.

Los Angeles war der finsterste Teil der Reise, was nicht wörtlich zu nehmen ist, denn als wir die zweistellige Millionenstadt am späten Abend erreichten, kam es mir vor, als würden wir auf einem goldenen See landen. Ich meine damit das ewige Schlangestehen vor den albernen Homeland Security-Kontrollen, deren Sinn ich nicht verstehe, da wir anschließend sofort zurück ans Gate gingen. Wir haben doch das Land gar nicht betreten!

Der im finsterste Abschnitt eigentlichen Sinne des Wortes kam erst nach Los Angeles: der Pazifische Ozean. Die 12 Stunden Flugzeit waren allesamt in tiefste Finsternis gebettet.
Irgendwann in der Dunkelheit stellte ich fest, dass das kleine Flugzeugsymbol auf meinem Bildschirm gerade ziemlich genau in der Mitte eines großen dunkelblauen Kleckses am Vorankriechen war. Ein kleiner, blinkender Punkt über einer endlosen Wasserfläche, wo das nächste Festland nur eine winzige Insel ist - weiß der Teufel, wie sie von Polynesiern oder einem anderen Volk vor vielleicht über tausend Jahren entdeckt wurde.

Streets of London.

Die Zeit als absolutes Maß verlor enorm an Bedeutung. Ich dachte daran, dass bei Raummissionen die Uhr beim Start zu laufen beginnt und jede Zeitangabe in Tagen, Stunden, Minuten und Sekunden nach ebendiesem stattfindet. Auch unterwegs versuchte ich manchmal zu rechnen, wieviele Stunden vergangen waren, seit ich mein warmes Bett verlassen hatte.

In Auckland angekommen zeigten wir Pässe und die im Flugzeug ausgefüllten Formulare vor. In Letzteren geht es, genauso wie bei den folgenden Kontrollen am Flughafen darum, das versehentliche oder bewusste Einschleppen von fremden Pflanzen-, Pilz- und Tierarten zu verhindern. So liefen etwa viele Spürhunde mit ihren Führerinnen an der Gepäckausgabe herum und machten alles Essbare ausfindig, was daraufhin untersucht wurde. Alles halb so wild: anders als die blöden Yankees waren die neuseeländischen Grenzer und "Biosecurity"-Beamten sehr freundlich. Sogar die Spürhunde waren süß.

Von Auckland flogen wir direkt weiter nach Queenstown. Auf dem Fußweg zum Terminal für Inlandsflüge machten wir erste Bekanntschaft mit der sicher gewahrten heimischen Flora. Der Flug entpuppte sich als ausgesprochen interessant; schließlich flogen wir über das gesamte Land. Bei klarem Himmel bedeutete das spektakuläre Aussichten auf schneebedeckte Berge, türkisfarbene Seen, blaue Flüsse und Agrarflächen. Die durchschnittliche Einwohnerdichte, die etwa mit der Finnlands gleichkommt, machte sich bemerkbar: es waren nur kleine Siedlungen zu sehen.

Auch unser Ziel Queenstown passte in diese Kategorie. Wir landeten auf einem schön gelegenen, von Bergen umgebenen Flughafen. Es war sonnig, wir aufgeregt und müde.

Saturday, 18 October 2008

Aotearoa, Uusi-Seelanti, Neuseeland, New Zealand.

Manche wissen es vielleicht schon von meinen Erzählungen her: morgen früh fliege ich zusammen mit 8 Geophysikstudenten nach Neuseeland. Für mich, der ich Europa bisher nur ein Mal verlassen habe (Connecticut und New York im Herbst 2005) eine ungewohnt exotische Reise. Und dann gleich in das von Helsinki aus so ziemlich am weitesten entfernte Ziel, das der Geoid zu bieten hat.

So schaut's aus: Start ist am Sonntagmorgen zu unchristlicher Stunde am Flughafen Helsinki/Vantaa. Über Paris und Los Angeles geht es nach Auckland (Millionenstadt und mit Abstand größte Stadt Neuseelands). Auckland liegt ganz im Norden des Landes, und wir fliegen von dort aus sofort weiter nach Queenstown im Süden.


Von da an ist road trippin' angesagt und mit gemieteten Autos klopft unsere neunköpfige Gruppe drei Wochen lang die beiden großen Inseln von Süden nach Norden systematisch ab. Der Rückflug geht wieder von Auckland aus. Davor gibt es jede Menge zu erleben: wir werden unter anderem Vulkane, heiße Quellen und Gletscher vor die Linse bekommen, Museen und das Hobbitdorf aus dem Filmset von Herr der Ringe besuchen, Bungeespringen (ohne mich, Höhenangst!), Waale begaffen, Schwefel riechen, Kolonialzeitbauten beaugapfeln, vielleicht Haka tanzen und auf einem Gletschersee herumpaddeln.


Ich werde berichten, sobald der Jetlag nachlässt. Aber jetzt mach ich Schluss, Torsti und ich machen uns noch einen schönen Abend mit Futurama (eine Zeichentrickserie), dann Heia. Schließlich muss ich um 4:00 aufstehen.

Die Bilder zeigen Munkkiniemi vor etwa einer Woche; die letzten Tage, die noch etwas Sommerliches an sich hatten.

Friday, 17 October 2008

Die Dunkle Seite der Physik

Da ich durch die Alumnitagung des EK sowie die noch bevorstehende Neuseelandreise (über die ich selbstverständlich noch einen Blogeintrag schreiben werde) diesen Herbst Vorlesungen, Übungen und Prüfungen an der Uni verpasse, habe ich dieses Semester bewusst solche Kurse belegt, deren Inhalt mich nicht besonders reizt, aber trotzdem wichtig und sinnvoll zu lernen ist: Elektronik, Messtechnik, Programmieren, mathematische Methoden. [Siehe Titel.] Nicht, dass ich mich falsch ausdrücke: Im Grunde finde ich diese Fächer schon interessant, aber sehr trocken und auch mühsam zu lernen. Seit letztem Jahr steht Statistik übrigens nicht mehr auf dieser grauen Liste; nicht zuletzt dank meinem guten Lehrer Kimmo Vehkalahti. Ich hoffe, das hört meine Mama gerne!


Einen Nachteil hat die Sache: Zum ersten Mal, seit ich an der Uni studiere, habe ich Schwierigkeiten, mich zum Lernen zu motivieren... Aufgaben werden so lange aufgeschoben, bis es nicht mehr geht. Zum Glück klappt diese Methode überraschend gut, auch wenn sie vielleicht nicht den maximalen Lernerfolg verspricht.


Jaja, die Prokrastination: mein schlimmester Feind, aber vielleicht auch gar kein so schlechter Freund von mir. Denn während ich die eigentliche Arbeit meide, erledige ich alles Mögliche andere; zum Teil auch Dinge, die thematisch im Grunde in mein Studium fallen. Akademische Prokrastination also auch als Motor. Noch etwas ist interessant: während ich "alltägliche" Aufgaben wie Rechenübungen meide wie den Teufel, gehe ich größere und wichtigere Projekte wie Referate und Aufsätze heutzutage viel zielstrebiger an als noch vor einem Jahr.


Die Photos zeigen meinen Heimatstadtteil Munkkivuori und das angrenzende Munkkiniemi, wie sie zur Zeit aussehen. Nur das Wetter ist mies: seit gestern N i e s e l r e g e n.