Am nächsten Morgen standen wir früh auf. Um acht fuhren wir los an die Westküste, eine Fahrt von gut zwei Stunden, auf der man auch durch den hässlichen, dunklen und engen, unter größtem Aufwand und sogar dem Preis mehrerer Menschenleben von 1935 bis 1954 gebauten Homer Tunnel fährt. Auf der Fahrt im Nationalpark Fiordland sahen wir Landschaften, die alle zuvor gesehenen an extremen Kontrasten noch in den Schatten stellten. Gemäßigte Regenwälder (hauptsächlich aus bemoosten Birken und Farnen bestehend), Gletscher, gigantische Berge, Weiden, trockene Grassteppen, Buschländer, Seen. Westlich der Südlichen Alpen, die sich in Nord-Süd-Richtung über die Südinsel erstrecken, gibt es viel orografischen Regen. Das Jahresniederschlagsmittel beträgt an der Küste teilweise 6000 mm und mehr. Östlich des Gebirges ist es deutlich trockener, daher die Steppenlandschaften. Wir machten so manchen Halt und viele Photos.
An der Westküste fuhren wir mit einem der vielen Ausflugsschiffe den Milford Sound bis an die Tasmanische See herunter. An unserem Boot war nett, dass es etwas kleiner war als die meisten anderen, und das wir praktisch als einzige oben auf dem Deck standen und so eine wunderbare Rundumsicht hatten. Der Milford Sound ist ein Fjord, also durch Gletscheraktivität während Eiszeiten entstanden. Er ist eine enorm faszinierende Landschaft: die ihn eingrenzenden Berge sind bis in eine große Höhe mit dichtem Regenwald bewachsen, obwohl sich ihre Felswände zum Teil fast senkrecht erheben und von so gut wie keinem Erdreich bedeckt sind. Der Regenwald besteht auch hier vorwiegend aus den oben genannten Birken, Farnen und jeder Menge Moos, die allerdings in anderen Anteilen vertreten sind: unter den gegebenen Wachstumsbedingungen ist es kein Wunder, das kleinere Gewächse leichter Halt und Nahrung finden. Ab und zu kommt es vor, das ein Teil der Bewaldung von der Felswand abrutscht; analog zum Schnee nennt sich so etwas treffend eine Baumlawine. Besonders nahe der Mündung des Fjords sonnen sich Seelöwen auf den Felsen.
Wir besuchten Milford Sound an einem sonnigen Tag mit traumhaften Wetter. Nur in etwa zehn nennenswerten Wasserfällen prasselte Regenwasser aus den Bergen in den Fjord. Wenn es, was ständig vorkommt, wie aus Kübeln schüttet, werden die trockenen Schneisen im Wald - wie wir sie zu sehen bekamen - zu reißenden Strömen. Wäre sicher auch sehenswert.
Auf dem Rückweg fuhr das Schiff noch nahe an einen flachen, steinigen Strand. Dort hampelten einige Pinguine herum. Sehr lustige Tiere. Ich träumte von einem Teleobjektiv.
Ganz zuletzt besuchten wir noch die im Fjord gelegene Unterwasseraussichtskapsel (was an der Fauna im Wasser des Milford Sound so besonders ist und warum, wird ein eigener Blogeintrag). Über eine Treppe gelangten wir acht Meter unter die Oberfläche; durch zentimeterdicke Acrylglasscheiben (Made in Germany) begafften wir das lebendige Treiben im eiskalten Wasser. Die Fenster müssen übrigens alle paar Tage geputzt werden. Da hilft Alles nichts: Der lustige, adrette Mann mit Lockenkopf, der die Besichtigung führte, muss sich in ein Taucherkostüm zwängen und mit Bürste und Schamm in die düstere Brühe hüpfen.
Auf der Rückfahrt nach Te Anau machten wir auf einem der zahlreichen Rastplätze mit Aussicht eine lustige Begegnung: die seltenen und für ihr schalkhaftes Auftreten bekannten grünen neuseeländischen Papageien machten ihrem Ruf alle Ehre. Sie hüpften auf unseren Autos herum - wobei sie im Übrigen sichtbare Kratzer fabrizierten - quäkten schrill herum und blinzelten zum Fenster rein. Von Menschenscheu kann keine Rede sein, wenngleich sie einen bemerkenswerten Sicherheitsabstand von einem knappen Meter zu uns hielten und es nicht zu mögen schienen, wenn man diesen nicht einhielt. Wir rätselten, wie gut die Tiere wohl können. Ihre ausgeprägten unerwartet farbenfrohen Flügel verwendeten sie stets nur für ein kurzes Gleiten. Anonsten schienen sie lieber herumzuhüpfen.
Damit war der Tag noch nicht zu Ende: kurz nach der Rückkehr brachen wir erneut auf, diesmal zum Seeufer. Dort brachte uns ein Ausflugsschiff über den Lake Te Anau zu einer berühmten Höhle, bekannt vor allem dafür, dass in ihr eine einzigartige Glühwürmchenart lebt. Zu besichtigen ist nur ein winziges Stück der Höhle, quasi der Eingang. Drinnen ist es keineswegs trocken: der Bach, der die im geologischen Maßstab junge Höhle ursprünglich in den Kalk- und Sandstein gefressen hat, donnert immer noch durch sie hindurch in den See. Zunächst liefen wir ein Stück über einen stilvoll angebrachte Stahlgitter - abwechselnd unter und neben uns der Bach. Unser Führer, ein sympathischer Mann in den Zwanzigern namens Jake, der ein bisschen aussah wie ein Hobbit, musste sich in der Höhle die Seele aus dem Leib schreien, um bei dem Gedröhne gehört zu werden. Wo der Bach breit wurde und langsam floss erreichten wir einen Kai und ein rechteckiges Aluminiumboot mit Stoßdämpfern aus Gummi rundherum, wie man es aus Vergnügungsparks kennt. In diesem fuhr uns Jake, der uns um absolute Stille bat und alle Lichter löschte, durch den weiteren zugänglichen Teil der Höhle. Dies tat er, indem er auf dem Bootsrand stand und sich an einem Stahlseil vorwärts zog. Hatten wir vorher schon Glühwürmchen in der Höhle gezeigt bekommen, sahen wir sie jetzt ohne Jakes Fingerzeig: schwach grünliche Pünktchen an der Decke und den Wänden - fast wie Sterne - in losen Gruppen zu etwa zehn Tieren angeordnet. Regungs- und geräuschlos hängen sie da und leuchten sich ihren Weg entlang des Pfades der Evolution. Schön!
Anschließend gab es Kaffee und Tee, welche ich allerdings verpasste, weil ich stattdessen den kurzen Naturlehrpfad durch den Regenwald sehr gründlich fotografierend absolvierte.
2 comments:
Stefan durch ein Dornwald ging...
jumankekka mitä maisemiiiiiii
Hahaha! Onko totakin laulettu Domin kanssa? Juu, maisemia siellä kyllä on! Tai oli, saavuin juuri kotiin täällä pohjoisella pallonpuoliskolla. On kylmää!!!
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