Jetzt kann mich niemand mehr belächeln oder glotzen, wenn ich wieder ohne Jacke rumlaufe. Wer den Sommeranfang jetzt noch leugnet, gehört gerügt! Denn - man höre und staune - als wir heute nach wundervoller Dominanteprobe um neun Uhr das Gebäude verließen, war es
draußen noch hell. Nur eine beginnende Abenddämmerung lag auf dem ergrünenden Kampus.
Am Wochenende war
Chorlager! Nicht mit Dominante, sondern mit Äänenkannattajat, meinem "Zweitchor". Ich halte zwei Chöre aus, weil sie grundverschieden sind.
Dominante strebt nach musikalischer Exzellenz. Deshalb gibt es eine sehr geregelte Organisation: einen gewählten Vorstand, musikalische Leitung und andere Ämter; Aufnahmeprüfungen, Gesangsstunden, eine Stimmtrainerin, stundenlange Proben, verschiedene Konzertprogramme alle paar Wochen.
Äänenkannattajat ist ein lockerer internationaler Studentenchor, der die meisten dieser Dinge nicht hat. Dafür findet man hier eine bunte Menge interessanter Leute aus aller Welt, die einfach zusammen Spaß haben. Der Leiter ist Moritz Metzner - Musiklehrer an der DSH und ein Freund von mir. Auch Stephu, Torsti und Dr. Jördens singen im Chor.
In dem Gebäude haben wir geschlafen - in der Turnhalle.Das Lager war der Hammer! Stattgefunden hat es in der schwedischsprachigen Dorfschule von Norra Paipis (Finnisch: Pohjois-Paippinen), dem
Nordteil des flächenmäßig größten Dorfes im Rat der Nordischen Länder. Es besteht allerdings hauptsächlich aus Wäldern und Feldern. Einwohner hat es bloß etwa 1500.
Viele Photos habe ich leider nicht gemacht, weil meine Kamera stets zur richtigen Zeit am falschen Ort war, und weil viele andere eifrig geknipst haben.
Köche Schulz und Jördens.Es war alles dabei; Sonnenschein, spontanes Eis vom zufällig vorbeifahrenden Eiswagen, meisterhaftes von Sängern zubereitetes Essen (genannt seien hier besonders Dr. Jördens' und Stephus Pizze und Karols
Lángos), ein tolles Fussballspiel, Sauna, eine Talentshow am letzten Abend die sich bis sehr spät in die Nacht zog, lustige Proben und hier und da ein Bier - am letzten Abend ein paar mehr.
Moritz - Thomas - Zach - Torsti - Stephu - Dr. Jördens - Damien
(es fehlen auf dem Bild von den Männern: Michael, Karol und ich)
Bei der Talentshow hatte ich drei Auftritte: erst als Kontertenor in einem Männerdoppelquartett (jeweils zwei mal Kontertenor, Tenor, Bariton, Bass); dann klavierbegleitet mit
Taivas on sininen ja valkoinen, einem finnischen Volkslied, welches wir übertrieben düster vortrugen als Parodie auf die finnische Melancholie; zuletzt spielten Torsti, Stephu und ich
Putkiremontti, ein Stück unserer Band.
Tisch Nummer eins beim Abendessen.Jetzt habe ich immer noch einen Chorlager-Kater. So nennen wir die launische und sehnsüchtige Phas, die zwangsläufig nach dem jähen Ende einer schönen, gemeinsamen Zeit folgt.