Sunday, 27 April 2008

El Maco

„Hamse mal tausend Euro?“   Er ist teuer trotz Studentenrabatt. Er ist flink wie eine Ameise. Er ist leise wie ich als Baby... NOT! Er ist praktisch wie ein Schuhlöffel. Er glänzt wie die atropinträchtigen Augen einer andalusischen Señorita. Er ist weiß wie ein Satellitenfoto von Grönland im Juli. Er hat einen Apfel auf dem Rücken wie ein Igel, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Er heißt El Maco, wie der doofe Hamburger von McDagoberts.

Mit bürgerlichem Namen allerdings MacBook. Seit 12 Tagen erleichtert er mir erheblich das Leben.

Mein Hintergrundbild: Das Sibelius-Denkmal, fotografiert letzte Woche.

Saturday, 26 April 2008

Klassenfahrt nach Velskola

- Geschrieben am Montag, den 21.4., dem ersten Tag der Klassenfahrt -

Velskola ist ein malerisches Landschulheim etwa 25 Kilometer von Helsinki. Es gehört noch zur Stadt Espoo und ist daher mit Linienbussen günstig zu erreichen. Schon seit langer Zeit ist es das Standart-Klassenfahrtziel der vierten Klassen der DSH. Als ich nach Finnland und in ebendiese Klassenstufe kam, war ich dort. Jetzt, zehn Jahre später, bin ich wieder hier --- als Betreuer.

Im Hintergrund das Gebäude, in dem wir hausten.

Ich fackelte nicht lange, als mich mein letzter Klassenlehrer Rainer anrief , erzählte, dass die Lehrerinnen Jessica und Stefanie die 4a in die finsteren Wälder Nordost-Espoos entführen würden, und fragte, ob ich nicht Lust hätte, den dritten Mann zu mimen.
Von Montag bis Mittwoch sitze ich nun hier fest – genial! Flucht vorm Alltag, Eskapismus! Vorm Studium fliehe ich nicht, das will ich auch gar nicht. Macht ja trotz allem Stress Spaß. So habe ich außer Gitarre, Noten und Kamera auch Kursmaterialien, Aufgabenblätter und
 MacBook dabei. Auf Letzteres habe ich einige .pdf:s von den Internetseiten verschiedener Kurse geladen.

Da links ging es sehr tief und steil runter. Ich hab den Damen einen Riss im Felsen gezeigt und gesagt: "Näher als das geht ihr mir nicht an den Abhang!" Haben die sich sofort dran gehalten, fand ich toll.

Bis jetzt läuft hier alles wie Spucke auf der Türklinke, die Mädchen sind braver als die Jungs, das Wetter ist blendend. Wir drei Betreuer haben Einzelzimmer, auch wenn ein paar Mädchen, die in mir einen Vertrauten gefunden haben, es nutzen, um die geheimen Aktivitäten der Knaben zu überwachen. So kommt es schon mal vor, dass ich zugeraunt bekomme: „Die Laura ist jetzt als Agentin bei den Jungs, wir haben gleich Geheimtreffen in deinem Zimmer.“ --- wie gesagt, alles im Lot aufm Boot. Auch zum Lernen und Gitarre spielen komme ich hier, beispielsweise, wenn die Pänz gerade Schätze suchen (die ich, wie sich herausstellt, „entwendet“ habe, sodass die Schatzsuche zur Stefanjagd wird).

Bisweilen spüre ich in den Knochen, dass ich bald zwanzig werde. Ich werde aber auch hart in Anspruch genommen - die lieben Mädels reichen mir Taschen zum Tragen; wollen Huckepack genommen werden (und dann schreien sie „RENN!“ was ich Idiot auch noch mache); zerren mich kurzerhand dahin, wo sie mich gerade haben wollen. Von wegen leicht verdiente Kohle! Da lobe ich mir doch die zukünftigen Bartträger. Die gehen wenigstens nur im Wald verschollen und müssen gesucht werden...

Auf dem Weg zum See.

Zum Glück gibt es reichlich Essen und ruhige Momente. Auch eine Flasche Rotwein für nach Sonnenuntergang haben die Lehrerinnen dabei. Wie man sieht, mir geht’s gut.
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Nachbemerkung: Nach der Fahrt hatte ich erst mal ein wundervolles Fieber incl. extremen Kopfschmerzen, die ich allerdings innerhalb von 1,5 Tagen praktisch komplett loswurde. Die Krankheit hinderte mich nicht daran, am Mittwochabend ins Konzert von E.S.T. und am Donnerstagmittag in die Statistikprüfung zu gehen. In letzterer brauchte ich zwar etwa eine Stunde, um einen halbwegs klaren Kopf zu bekommen, sie ging aber dennoch sehr gut, den Zeitmangel gab es nicht. 

Tuesday, 15 April 2008

Sommaren har börjat

Jetzt kann mich niemand mehr belächeln oder glotzen, wenn ich wieder ohne Jacke rumlaufe. Wer den Sommeranfang jetzt noch leugnet, gehört gerügt! Denn - man höre und staune - als wir heute nach wundervoller Dominanteprobe um neun Uhr das Gebäude verließen, war es draußen noch hell. Nur eine beginnende Abenddämmerung lag auf dem ergrünenden Kampus.


Am Wochenende war Chorlager! Nicht mit Dominante, sondern mit Äänenkannattajat, meinem "Zweitchor". Ich halte zwei Chöre aus, weil sie grundverschieden sind.
Dominante strebt nach musikalischer Exzellenz. Deshalb gibt es eine sehr geregelte Organisation: einen gewählten Vorstand, musikalische Leitung und andere Ämter; Aufnahmeprüfungen, Gesangsstunden, eine Stimmtrainerin, stundenlange Proben, verschiedene Konzertprogramme alle paar Wochen.
Äänenkannattajat ist ein lockerer internationaler Studentenchor, der die meisten dieser Dinge nicht hat. Dafür findet man hier eine bunte Menge interessanter Leute aus aller Welt, die einfach zusammen Spaß haben. Der Leiter ist Moritz Metzner - Musiklehrer an der DSH und ein Freund von mir. Auch Stephu, Torsti und Dr. Jördens singen im Chor.

In dem Gebäude haben wir geschlafen - in der Turnhalle.

Das Lager war der Hammer! Stattgefunden hat es in der schwedischsprachigen Dorfschule von Norra Paipis (Finnisch: Pohjois-Paippinen), dem Nordteil des flächenmäßig größten Dorfes im Rat der Nordischen Länder. Es besteht allerdings hauptsächlich aus Wäldern und Feldern. Einwohner hat es bloß etwa 1500.
Viele Photos habe ich leider nicht gemacht, weil meine Kamera stets zur richtigen Zeit am falschen Ort war, und weil viele andere eifrig geknipst haben.

Köche Schulz und Jördens.

Es war alles dabei; Sonnenschein, spontanes Eis vom zufällig vorbeifahrenden Eiswagen, meisterhaftes von Sängern zubereitetes Essen (genannt seien hier besonders Dr. Jördens' und Stephus Pizze und Karols Lángos), ein tolles Fussballspiel, Sauna, eine Talentshow am letzten Abend die sich bis sehr spät in die Nacht zog, lustige Proben und hier und da ein Bier - am letzten Abend ein paar mehr.

Moritz - Thomas - Zach - Torsti - Stephu - Dr. Jördens - Damien
(es fehlen auf dem Bild von den Männern: Michael, Karol und ich)

Bei der Talentshow hatte ich drei Auftritte: erst als Kontertenor in einem Männerdoppelquartett (jeweils zwei mal Kontertenor, Tenor, Bariton, Bass); dann klavierbegleitet mit Taivas on sininen ja valkoinen, einem finnischen Volkslied, welches wir übertrieben düster vortrugen als Parodie auf die finnische Melancholie; zuletzt spielten Torsti, Stephu und ich Putkiremontti, ein Stück unserer Band.

Tisch Nummer eins beim Abendessen.

Jetzt habe ich immer noch einen Chorlager-Kater. So nennen wir die launische und sehnsüchtige Phas, die zwangsläufig nach dem jähen Ende einer schönen, gemeinsamen Zeit folgt.