Sunday, 4 January 2009

Taupo. 30.10. - 1.11.2008

In Wellington kann man sicher eine Woche verbringen, ohne sich zu langweilen, in dem man in etwa den vielen Kulturangeboten nachgeht oder die nahen Weingüter besucht. Leider mussten wir am nächsten Morgen wieder weiter.
Diesmal war es eine längere Fahrt: für die knapp 400 Kilometer Straße von Wellington nach Taupo im Herzen der Nordinsel braucht man um 6 Stunden, wenn man ab und zu anhält und sich umsieht.

Auf der ersten Fahrt auf der Nordinsel gab es auch wieder Einiges zu sehen. Stellenweise war die Landschaft komplett entwaldet. Sie bestand dann aus graßbewachsenen Hügeln, auf denen Schafe grasten. Mal viele, so dass pro Schaf gerade mal ein paar Quadratmeter Platz war, manchmal wenige oder auch gar keine. Entsprechend der Entwaldung waren auch leichte bis starke Spuren von Bodenerosion zu sehen. Stellenweise hatte Wasser die gesamte Hälfte eines Hügels in einen Bach geschwemmt. Helle, sandige Erde kam dann zum Vorschein; vermutlich trotz des hellen Aussehens ziemlich humushaltig und fruchtbar. Vielerorts waren Baumketten und Büsche strategisch gegen die Erosion gepflanzt worden. Manchmal war auch einfach ein Hang oder ein Bach umzäunt, damit größere Pflanzen, welche die Schafe sonst im Wachstum fressen oder zertrampeln würden, durchkommen und Schutz gegen Erosion bieten konnten.

Wir statteten auch dem nahe an unserem Weg gelegenen Gravity Canyon einen Besuch ab. Eine sehr tiefe Schlucht, die sich einfach so durch die Hügel schlängelt. Von einem Fluss geformt, welcher auch heute noch in der Tiefe fließt. Wir schauten uns eine Bungee jumping-Brücke an. Achtzig Meter kann man sich dort in die Tiefe stürzen. Wir waren sogar Zeugen eines Sprunges, den ein Mann um die dreißig wagte. Diejenigen von uns, die sich ihrerseits anderswo zum Bungeespringen angemeldet hatten (Sanni, Sofia, Ilkka) schluckten bei seinem Anblick auf der Sprungplattform.

Über derartige Umwege, zu denen auch Mittagessen in einem Ort namens Bulls gehörte, gelangten wir schließlich an den Lake Taupo und wenig später in die Stadt Taupo. Ersterer ist der größte See Neuseelands, in der Mitte der Nordinsel gelegen, zweiteres ist eine Kleinstadt. Die Jugendherberge dort ist großartig! Sehr gemütlich, mit Innenhof und hoher Terasse.

Den nächsten Tag nutzten wir für eine etwa sechs Stunden lange Wanderung im Nationalpark Tongariro. Dieser Park, einer der ältesten Nationalparks der Welt, bildet mit seinen drei berühmten Vulkanen Tongariro, Ngauruhoe und Ruapehu das Ende der Taupo Volcanic Zone, einer vulkanisch und geothermisch hochaktiven Zone, die ihrerseits Teil des sogenannten Pazifischen Feuerrings ist. Der Nationalpark liegt eine gute halbe Stunde Autofahrt südlich von Taupo. Das ursprüngliche Gebiet des Parks schenkte der weise Maorihäuptling Heu Heu der britischen Krone mit der Auflage, dass es unverändert erhalten bleibe. Er sah darin die einzige Möglichkeit, es vor den weltlichen Interessen der europäischen Siedler zu schützen - mit Erfolg.
Der Landschaften im Park sind je nach Lage sehr unterschiedlich; in dem Teil des riesigen Parks, durch den unsere Wanderung führte, war der größte Teil der Fläche recht dichtes Buschland. Je höher wir kamen, umso spärlicher wurde die Vegetation. Überall sah man den vulkanischen Ursprung des Untergrundes; durch das Erdreich aus Vulkanasche fraßen sich Bäche, überall lagen Steine aus erstarrter Lava herum. Aufgrund des Fehlens von höheren Gewächsen konnte man sehr weit sehen. Von den drei Vulkanen konnten wir den zerklüfteten Ruapehu, den man optisch gar nicht so leicht als Vulkan identifizieren kann, und den Ngauruhoe, dessen typische Kegelform seine Natur sofort verrät, fast die ganze Zeit sehen. Das letzte Stück der Strecke, der Weg zum Höheren Takasee führte uns in eine Höhe von etwa 1400 Metern. Losgelaufen waren wir vom Visitor Centre (untersteht dem staatlichen Department of Conservation) auf etwa 1000 Metern. Dort oben war es trotz blauen Himmels und Sonnenschein enorm windig. Zum Glück entdeckten wir einen runden, aus zu über einem Meter hohen Wällen geschichteten Steinen Windschutz. Dort verzehrten wir unseren restlichen Proviant und machten uns an den Abstieg.
Nicht mit dabei beim Wandern waren Sanni, Sofia und Anni, die stattdessen eine Reittour in der Nähe der Craters of the Moon (siehe unten) bei Taupo machten.

Der folgende Tag begann als Abenteuer. Zumindest für Sanni, Sofia und Ilkka. Die drei hatten sich beim Taupo Bungy freiwillig zu einem Sprung aus 47 Metern Höhe über dem Waikato River gemeldet. Die restlichen sechs fieberten kräftig mit, besonders mit Ilkka, welcher Höhenangst hat und daher besonders viel Mut aufbringen musste. Ich bewundere, dass er tatsächlich gesprungen ist!

Anschließend fuhren wir ein paar Kilometer zu den nahen Craters of the Moon, einem geothermisch aktiven Tal, dessen Aktivität und Ausdehnungen extrem zunahmen, als in der Nähe das Geothermische Elektrizitätswerk Wairakei konstruiert wurde. Gleichzeitig versiegten einige Geysire in der Region. Es handelt sich hier also um hochkomplizierte und noch nicht besonders gut erforschte unterirdische Systeme.
Die Craters of the Moon heißen so, weil scheinbar irgendwann mal jemand der Meinung war, dass Mondkrater optisch ihre nächsten Verwandten darstellen müssen. Nun ja... Gegen einen günstigen Eintritt von umgerechnet gut zwei Euro darf man auf eigene Faust die sicheren, befestigten Wege nutzen, die einen durch das höchst veränderliche und teilweise instabile Gelände führen. Man darf sie nicht verlassen, was mir in der Tat sinnvoll erscheint.
Was aber ist nun so interessant an diesem Fleckchen Erde? Also: unter dem Tal gelangt Magma bis relativ nah an die Erdoberfläche. Dort erhitzt es das Gestein, dieses wiederum das Grundwasser. Das Wasser kann unter hohem Druck sogar weit über hundert Grad heiß werden, wie in einem Druckkochtopf. Das Wasser dehnt sich beim Erhitzen aus und brodelt an die Oberfläche. Dort kann es zum Beispiel in Stößen als Geysir hervorschießen, oder als heiße Quelle hervorblubbern. In den Craters of the Moon kommt das Wasser zum größten Teil durch winzige Risse und Spalten im Boden. An der kalten Luft dampft das heiße Wasser, daher erheben sich überall weiße Schwaden in allen Größen. Manchmal kommt es vor, dass das Wasser nicht aufsteigen kann und sich Druck aufbaut. Wird dann der Weg frei, kocht das überhitzte Wasser schlagartig auf und schleudert Erdreich in die Luft - so entstehen die Krater.
Das heiße Wasser löst zahlreiche Mineralien aus dem Boden, welche sich an der Oberfläche farbenfroh ablagern. Dies verursacht auch eklige schwefelige Gerüche. Außerdem wachsen zahlreiche sehr spezialisierte Pflanzen in dem heißen Boden. Die Dampfschwaden sind wirklich angenehm warm, ebenfalls der Boden. Als echter werdender Wissenschaftler bohrte ich natürlich auch einen Finger nahe einer Stelle, an der ein klitzekleines bisschen Dampf aufstieg, in den Boden. Das fühlte sich ungefähr so an, als hätte ich die Spitze in einer Tasse frisch aufgebrühtem Tee versenkt.

Vom Mond reisten wir dann weiter in Richtung unserer nächsten Herberge. Diese lag im nur 80 Kilometer nördlich gelegenen Rotorua.

Craters of the Moon bei Sonnenuntergang.
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Nationalpark Tongariro:

Wasser frisst sich mit Leichtigkeit durch das Erdreich aus vulkanischer Asche.




Lower Taka Lake, im Hintergrund der hochaktive Vulkan Ruapehu.

Willkommener Windschutz.

Der Vulkan Ngauruhoe.

Süß.

Ilkka.



Taupo Bungee über dem Waikato-Fluss. Am Seil Sanni.



Craters of the Moon am Tag.

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