Am Flughafen Helsinki Vantaa ist das Leben sehr unkompliziert und so saßen wir rechtzeitig im Flugzeug nach London Heathrow. Drei Stunden, die ich größtenteil Schlafschulden abstotternd verbrachte. In London waren etwa sieben Stunden Zeit, bis der "eigentliche" Teil der Reise, nämlich Flug NZ001 über Los Angeles nach Auckland, begann. Deshalb war ich enorm verblüfft, als die Gruppe nach unserer Ankunft nicht den Ausgang, sondern direkt den Transitbereich für Anschlussflüge ansteuerte. Da ein paar schon durch die Sicherheitskontrolle gegangen waren, konnte ich erst drinnen meinen Vorschlag zum Ausdruck bringen, doch nach London City zu fahren, anstatt sieben Stunden lang an diesem öden Flughafen totzuschlagen. Toni sah das auf Anhieb genau so, wir konnten noch Sanni, Sofia und Aleksi für unseren kleinen Metropolen-Stoßtrupp gewinnen. Ilkka, Elina, Ilona und Anni entschieden sich, am Flughafen zu bleiben.
Mit der Metro fuhren wir zur Station Green Park (45 min hin, 55 min zurück), spazierten gut zwei Stunden entspannt durch die Innenstadt und schauten uns einige der Standardsehenswürdigkeiten an (Big Ben, Buckingham Palace, Houses of Parliament, Trafalgar Square etc.), aßen gut bei Subway, und waren überpünktlich zurück am Flughafen, mit dem Gefühl, genau das Richtige getan zu haben. -> Abflug.
Die nächsten 11 Stunden vergingen. Wie, weiß ich nicht genau, aber sie packten es irgendwie ohne mein Zutun. Ich schaute ungefähr zwei Filme auf meinem Bildschirm (The Queen, Die Reifeprüfung mit Dustin Hoffman sowie Teile von irgendeinem Indiana Jones und so), schlief eher wenig, las, hörte ein bisschen Musik und aß und trank gut.
Los Angeles war der finsterste Teil der Reise, was nicht wörtlich zu nehmen ist, denn als wir die zweistellige Millionenstadt am späten Abend erreichten, kam es mir vor, als würden wir auf einem goldenen See landen. Ich meine damit das ewige Schlangestehen vor den albernen Homeland Security-Kontrollen, deren Sinn ich nicht verstehe, da wir anschließend sofort zurück ans Gate gingen. Wir haben doch das Land gar nicht betreten!
Der im finsterste Abschnitt eigentlichen Sinne des Wortes kam erst nach Los Angeles: der Pazifische Ozean. Die 12 Stunden Flugzeit waren allesamt in tiefste Finsternis gebettet.
Irgendwann in der Dunkelheit stellte ich fest, dass das kleine Flugzeugsymbol auf meinem Bildschirm gerade ziemlich genau in der Mitte eines großen dunkelblauen Kleckses am Vorankriechen war. Ein kleiner, blinkender Punkt über einer endlosen Wasserfläche, wo das nächste Festland nur eine winzige Insel ist - weiß der Teufel, wie sie von Polynesiern oder einem anderen Volk vor vielleicht über tausend Jahren entdeckt wurde.
In Auckland angekommen zeigten wir Pässe und die im Flugzeug ausgefüllten Formulare vor. In Letzteren geht es, genauso wie bei den folgenden Kontrollen am Flughafen darum, das versehentliche oder bewusste Einschleppen von fremden Pflanzen-, Pilz- und Tierarten zu verhindern. So liefen etwa viele Spürhunde mit ihren Führerinnen an der Gepäckausgabe herum und machten alles Essbare ausfindig, was daraufhin untersucht wurde. Alles halb so wild: anders als die blöden Yankees waren die neuseeländischen Grenzer und "Biosecurity"-Beamten sehr freundlich. Sogar die Spürhunde waren süß.
Von Auckland flogen wir direkt weiter nach Queenstown. Auf dem Fußweg zum Terminal für Inlandsflüge machten wir erste Bekanntschaft mit der sicher gewahrten heimischen Flora. Der Flug entpuppte sich als ausgesprochen interessant; schließlich flogen wir über das gesamte Land. Bei klarem Himmel bedeutete das spektakuläre Aussichten auf schneebedeckte Berge, türkisfarbene Seen, blaue Flüsse und Agrarflächen. Die durchschnittliche Einwohnerdichte, die etwa mit der Finnlands gleichkommt, machte sich bemerkbar: es waren nur kleine Siedlungen zu sehen.
Auch unser Ziel Queenstown passte in diese Kategorie. Wir landeten auf einem schön gelegenen, von Bergen umgebenen Flughafen. Es war sonnig, wir aufgeregt und müde.
2 comments:
Das Reisetagebuch ist natürlich schon weiter geschrieben; ich habe nur noch keine Bilder zu den Einträgen. Um euch vor erschlagenden Textmassen zu bewahren, warte ich mit der Veröffentlichung, bis ich die Bilder sortiert habe. :)
- Stefan
Das kommt mir bekannt vor. Das Reisetagebuch wird schnell vollgeschrieben, aber die Weitergabe verzögert sich mit jeden Tag. Es ist auf einer Reise wichtiger etwas zu erleben, als über dieses LIVE zu berichten.
Trotzdem freute ich mich über den Bericht und erwarte die nächsten Zeilen.
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