Saturday, 2 February 2008

Obdachlos

war ich gestern für einige Stunden. Doch von Anfang an:

Der deutsche Teil der Familie (Erika, HP und Anni) sind zu Besuch. Gestern wollte mich Annika in Munkkivuori besuchen kommen. Wir handyfonieren, alles klar: sie kommt mit der 18 zu mir, ich besorg Futter pour deux. ---
Ich freu mich tierisch, juhuu, Schwesterherz kommt. Also raus aus den Lumpen und was Stilvolles über den Wanst ziehen. Dann Einkaufstasche schnappen, raus aus der Bude, Tür knallt zu. Mit der Hand auf die Jeanstasche klopfen - leer.


Die alte Hose liegt in meinem Zimmer, darin Schlüssel Handy Buskarte Portemonnaie Flaschenöffner.
Annika unterwegs, wer weiß, ob sie sich an der Weg erinnert und allein herfindet, der einzige erreichbare zweite Schlüssel mit Torsti bei einer Feier in Vantaa, mindestens 12 Kilometer entfernt.

Mein Mund wurde ganz trocken und ich dachte: das ist nicht wahr, darf ich bitte mein Leben noch mal 20 Sekunden zurückspulen?

1,5 Stunden lief ich im Mantel, aber darunter nur im Hemd, ohne Schal und Handschuhe zwischen dem Treppenhaus und der Bushaltestelle hin und her, schaute bei jedem Bus, ob Anni darin saß. Ab 20:00 kam ich mit dem Türcode nicht mehr ins Treppenhaus. Mir fiel ein, dass Anni um acht meinen Bruder treffen wollte; vielleicht hatte sie angerufen und gesagt, dass sie es davor doch nicht mehr zu mir schafft. Ich wurde sehr philosophisch.

Rautatientori/Haptbahnhof

Schneeregendurchnässt stapfte gegen den Wind nach Munkkiniemi (800 m); dort fährt die Straßenbahnlinie 4 ins Zentrum. Die in Helsinki dicht fahrenden Busse kommen nicht in Frage, da muss man am Eingang die elektronische Karte zeigen oder zahlen. Ich hatte Schadt versprochen, ihn anzurufen um das Nachtleben zu planen; jetzt war meine Hoffnung, dass er noch zu Hause war. In der Straßenbahn treffe ich ein Mädchen von Dominante mit ihrem Freund. Ich bin völlig verwirrt, stammle einen Müll zusammen, als sie fragt, wohin ich unterwegs sei. Dazu meinte ich später zu Timo: "Man sagt, Menschen werden wunderlich, wenn sie lange isoliert sind. Bei mir reicht eine halbe Stunde." Sie selbst ging mit Freunden essen. Neidisch auf sie verabschiedete ich mich am Nationalmuseum von ihr. Schadt wohnt nah bei der Felsenkirche, 400 m vom Museum.

Ich bete, dass der Türcode hier um die Uhrzeit noch funktioniert, den ich auswendig kenne: das Jahr der Olympischen Spiele in Hki und vielleicht das Baujahr des Hauses. Zum Glück funktioniert er, zum Glück ist Timo noch da, wenngleich im Aufbruch. Ich war sehr erleichtert, ich hab mich schon gefragt, wo zum Teufel ich die Nacht verbringen soll, wenn Torsti nicht über Nacht nach Hause kommt.


Jetzt also alles klar; Timo hat die Nummer von meinem Bruder, ein Anruf klärt, dass Anni mit ihm zusammen schon bei einer "pancake party" ist - in Munkkiniemi (wurde oben erwähnt, quasi bei mir um die Ecke). Timo und ich besorgen Bier und Schokolade, treffen Manuel und fahren mit der 4 ebenfalls dorthin. Zweite Schwarzfahrt meines Lebens? Nein, ein paar mehr sind es schon, aber unter 10.

Hauptpostamt

Irgendwann kam Torsti nach Hause, ich kurz danach.
Er meinte: "Dein Computer war an, als ich reinkam, Winamp lief." Ich: "Welches Lied?" Er: "Weiß nicht mehr..." Ich: "Gut. Wäre es Ausgesperrt von Samsas Traum gewesen, hätte ich den Bildschirm eingetreten, das schwöre ich dir." Ein Witz zu später Stunde?

1 comment:

Brauel in Ulaya said...

Ist es nicht ein schönes Gefühl, dann wieder in die Wohnung zu kommen.

Ich musste letzen Sommer in meine Wohnung einbrechen (inklusive Einschlagen einer Glasscheibe der Wohnungstür), der Schlüssel war im Schloss abgebrochen. Glücklicherweise war nicht abgeschlossen und so musste ich nur durch das Scherbenloch zur Türklinke greifen. Jürgen