Friday, 7 November 2008

Christchurch (26. - 28.10.2008)

Auch die lange Fahrt nach Christchurch ging zunächst noch durch malerisch verschneite Landschaften. Langsam kamen wir in trockenere und wärmere Gebiete. In Christchurch selbst, welches an der Ostküste liegt, war es sommerlich bei über 20 Grad. Zum ersten Mal hatte ich in Neuseeland das Gefühl, in einer richtigen Stadt zu sein. ChCh hat 400 000 Einwohner. Den Abend nach der Ankunft verbrachten wir wie gewohnt mit Entspannen und gemeinsamem Kochen.

Der nächste Tag begann mit einem ausgedehnten Besuch des Antarctic Centre. Nur Teile Südamerikas liegen näher an der Antarktis als Neuseeland; von Christchurch zur neuseeländischen Forschungsstation Scott Base auf dem Kontinent sind es schlappe 3000 Kilometer. Auch die USA verwenden Christchurch als Tor zu ihrer, der neuseeländischen sehr nahe gelegenen Basis McMurdo Station. Aus gutem Grund liegt das Antarctic Centre neben dem internationalen Flughafen.
Es handelt sich um ein modernes Museum für alle Altersstufen, mit sehr gelungenen Animationen und Videos auf zahlreichen Bildschirmen. Auch dürfen viele Ausstellungsstücke wie zum Beispiel Expedititionsausrüstung und Steine aus der Antarktis ausdrücklich angefasst werden.
Es gibt einen gekühlten Raum mit Schnee, in dem ein antarktischer Sturm simuliert wird. Als gestandene Finnen konnten wir natürlich nur müde lächeln... bis uns die Mundwinkel einfroren. Kleiner Spaß, die Temperatur betrug stabile -8°C und man bekam eine Jacke. Besonders für die kleinen Gäste gibt es auch ein Pinguingehege. Die Tiere gehörten der Rasse Little Blue. Um 14:00 wurden sie von einem liebevollen Pflegerpaar mit stinkenden kleinen Fischen gefüttert. So stelle ich mir den Geruch von garum (auch liquamen genannt) vor.

Alles in allem bot das Antarctic Centre eine sehr lehrreiche und unterhaltsame Exkursion.

Nach einem vitaminreichen gemeinsamen Mittagessen in der Herberge gingen wir die Stadt in kleinen Splittergruppen erkunden, zum Teil auf sehr ähnlichen Routen. Viele wollten sich dem Sonnenschein keine Sekunde entziehen und gingen direkt in den großen botanischen Garten, der von einem noch größeren "normalen" Park umgeben ist. Ich folgte dem Rat meines Reiseführers, der einen Besuch des Arts Centre, einem neogotischen Gebäude voller Kunst- und Kunsthandwerkboutiquen, empfahl. Da ich ein großer Freund von Kunsthandwerk sowie immer auf der Suche nach stilvollen Artefakten bin, und das Art Centre direkt auf dem Weg zum Park lag, stattete ich ihm noch einen gründlichen Besuch ab. Toni begleitete mich. Sehr empfehlenswert! Auch traditionelle Māorikunst ist vertreten, wenngleich nicht besonders stark.
Anschließend spazierten auch wir lange durch den botanischen Garten und genossen Sonne, blauen Himmel, Baumriesen, bunte Blüten und den Kanal mit seinen kleinen Ausflugsgondeln alla Venezia. Aufgrund der enormen Größe der Grünfläche war es auch nicht weiter verwunderlich, dass wir von den anderen keine Spur sahen.
Anschließend statteten wir dem Domplatz einen Besuch ab. Der Dom ist ebenfalls neogotisch in grau gehalten - typisch Christchurch. Da es auf dem zentralen Platz nicht viel zu sehen gab, zumal der Dom bereits geschlossen war, und da Christchurch ein Liebling asiatischer Touris ist, hielt es uns dort nicht lange.
Zum gemeinsamen Abendessen fanden sich alle wieder in der Herberge ein. Heute war frühes Schlafen angesagt, denn am nächsten Tag mussten wir bereits gegen acht abfahren, um die Fähre auf die Nordinsel zu erreichen.

Die Fahrt nach dort oben war echt ein Nervenkitzel... einen halben Meter vom Rad entfernt geht es stellenweise fast senkrecht runter. Und von Leitplanke keine Spur!

Ilkka wirft einen Schneeball.

Esko der Māori. (Esko ist ein finnischer Name.)

Mt. Hutt mit Skizentum.

Vielerorts standen die Schafe auch doppelt so dicht.

Hei hei!

Zur Lage der Nation.

Seebär, zum Glück ausgestopft.

Christchurch. Rechts die Schienen der historischen Straßenbahn, unter der Brücke die Avon, im Hintergrund links der neogotische Dom.

Neogotik in Christchurch.



Botanischer Garten Christchurch.

Eingangshalle der Kunstgalerie.

Sunday, 2 November 2008

Mount Cook (24. - 26.10.2008)

Am nächsten Morgen reisten wir weiter zum Mt. Cook. An dieser Stelle möchte ich etwas von den Autofahren erzählen. Wir reisen in zwei bei der neuseeländischen Firma Apex gemieteten, metallisch-blauen Subaru. Als Fahrer fungieren Team Elina/Ilkka und Team Ilona/Aleksi, denen wir internationale Führerscheine gekauft haben. An das Linksfahren haben sie sich schnell gewöhnt. Die Kommunikation zwischen den Autos wird durch ein Paar Walkie Talkies ermöglicht.

Unterwegs machten wir Halt in einem Ort namens Wanaka. Dort aßen wir eine Kleinigkeit zu Mittag und Toni, Sofia und ich kauften uns in einer Boutique mit modernen Symbolen handbedruckte Hemden. Ein erstes stilvolles und ganz in Neuseeland hergestelltes Souvenier.

Kurz vor dem Ziel kamen wir an einen glasklaren See, den Lake Pukaki. Fast alle zogen die Schuhe aus und wateten im das kalte (für finnische Verhältnisse) beziehungsweise eisige (für mitteleuropäische Verhältnisse) umher. Der Strand sowie der Grund bestanden aus großen, rundgeschliffenen Kieseln, auf denen es sich gut laufen lies.

In der Nähe des Mount Cook (Aoraki) liegt ein kleines Dorf aus geschätzten 30 Häusern, mit eigener Schule. Dort wohnten wir die zwei Nächte in der Jugendherberge, die ebenfalls den Namen des berühmten Berges trägt. Erstmals hatten wir ein Zimmer alle zusammen, anstatt der üblichen Kombination 4 (Männer) + 5 (Frauen). Die Herberge war, wie alle anderen bisher, sehr gemütlich. Es gab sogar zwei brauchbare Gitarren zu meiner Zerstreuung sowie eine kleine Sauna. Zugegeben, letztere ware ein Trauerspiel - böse Zungen würden sagen: eine schwedische Sauna. Sie hatte weder Umkleide noch Vorraum, so dass man eine der Duschen auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges belegen und dann im Handtuch rüberstiefeln musste. An der Tür und über dem Ofen hingen Hinweisschilder, die vor einem Explodieren (wörtl. blow up) des Ofens warnten, sollte man Wasser auf die Steine werfen. Bei geschätzten 60 knochentrockenen Grad wärmten Toni und ich uns am zweiten Abend auf; warum das nötig war, berichte ich noch. Immerhin lernte ich in der warmen Stube eine sehr interessante, intellektuelle Frau aus Israel kennen. Sie reiste mit ihren zwei erwachsenen Töchtern, die sich angeblich ständig kabbelten,s quer durch's Land. Ich hatte mich ihr ursprünglich als from Finland vorgestellt und mich aufgrund ihrer Kultur (sie sprach viel über ihre jüdische Religion) danach nicht getraut, meine Nationalität zur Sprache zubringen. Ich denke, sie hätte kein Problem damit gehabt, dass ich Deutscher bin, aber ich hatte Angst, dass die Unterhaltung ohne unseren Willen von ihrer fröhlichen Natur abdriften könnte. Manchmal fühlt man sich scheinbar verpflichtet, mit dem anderen über etwas zu reden, obwohl keiner besonders Lust darauf hat. Eine merkwürdige Situation, die ich im Nachhinein selbst nicht mehr ganz nachvollziehen kann.

Da es im Dorf keinen Supermarkt oder Kiosk gibt, vertreibt die Rezeption der Herberge akzeptable Lebensmittel zu fairen Preisen. Am Tag der Ankunft machten wir gemeinsam Essen und gingen früh schlafen, denn am nächsten Tag trafen wir uns bereits um acht Uhr mit Charlie Hobbs.

Charlie betreibt mit seiner Frau die einzige Gaststätte im Ort, den Old Mountaneer, der 2003 von keinem Geringeren als Sir Edmund "Ed" Hillary eröffnet wurde. Außerdem sind beide Bergführer. Unsere Gruppe hatte bei ihm eine Runde Glacial Lake Kayaking, also Kayak fahren auf einem Gletschersee, gebucht. Um acht ging es also los: zusammen mit Charlies Assistentin aus den USA fuhren wir in einem Kleinbus zehn Minuten an das Ende des Hooker Valley, wo eine beliebte Wanderstrecke (Hooker Track) beginnt. Es waren einige Leute mehrerer Nationalitäten unterwegs, Rucksacktouristen, aber die Sorte mit etwas größeren Rucksäcken, zu deren Inhalt auch schon mal ein Zelt gehört. Wir bekamen Schwimmwesten und Spritzdecken, wanderten ein paar hundert Meter erst den Weg entlang, dann einen Trampelpfad durch die Wildnis, und erreichten schließlich den Müllersee, gelegen unter dem Müllergletscher. Die Kayaks lagen unter felsfarbenen Planen (aus ästhetischen Gründen). Nach ihrer Bereitmachung und einer kurzen Einweisung Charlies ging es auf den kleinen See.
Das Wasser war blau und wäre kristallklar, würden nicht Gletscherbäche kontinuierlich schneller pulverisiertes Gestein eintragen als dieses sedimentieren kann. So schwimmt Steinmehl sichtbar im Wasser und verleiht ihm eine silbergraue Farbe. Es ist trotzdem trinkbar und schmeckt köstlich. Bei einer Temperatur von 0,5°C ist es auch recht erfrischend.
Ständig hörte man es rumpeln, was mal dumpfer und mal krachender klang. Nein, keine Militärübungen oder Kaninchen mit Magenverstimmungen - Lawinen. Oft konnten wir sie auch sehen: ein Teil des Hanges bröckelte ab und Eis und Schnee stoben zu einer gewaltigen Wolke auf. Charlie zeigte uns verschiedene Stellen des Sees, Zu- und Abläufe; erklärte, wo der Gletscher Gestein im Tal ablieferte; kleine Eisberge mit Einschlüssen von Jahrhundertealter Luft usw..
Am Schönsten fand ich, als er uns um Stille bat, damit wird den tausend Jahre alten Gletscher hören konnten. Und tatsächlich: ein pausenloses Geknackse und Geknirsche, immer wieder übertönt von einer kleinen Lawine. Unter dem See ist übrigens ebenfalls Eis.

Nach der Kayakfahrt nutzten wir die zwei ausgebauten kurzen Wanderwege, die im Dorf begannen. Einer führte auf einen Berg, der andere durch einen Wald auf einer Bergflanke. Als Dauer waren zwei beziehungsweise eine Stunde angegeben. Trotz extensiver Photographie schafften wir beider schneller. Toni, Aleksi und ich liefen als einzige beide Wege, angefangen mit dem Berg. Wir hatten gerade den Bergpfad verlassen und den Wald betreten, als das Wetter umschwang. Charlie hatte davor gewarnt; deshalb waren wir auch so früh auf den See gefahren. Dichte Wolken schoben sich unglaublich niedrig ins Tal über dem Dorf, vom strahlenden Sonnenschein blieb nichts. Ein Wind mit sturmartigen Böen zog auf.

Wir kamen - wie geplant - genau rechtzeitig zur Happy Hour im Old Mountaneer an. Bei einem Bierchen beschlossen Aleksi, Toni und ich, noch ins zwanzig Autominuten entfernte Tasman Valley zu fahren, wo es ebenfalls kurze Wanderstrecken gab. Von dort lässt sich außerdem ein Blick auf einen der größten Gletscher Neuseelands, den Tasman Glacier, werfen.
Während wir dies planten, hatte es draußen bereits begonnen, zu regnen. Wir waren allerdings der Ansicht, dass dies den überwältigen Charakter der Bergnatur nur betonen könne - außerdem wollten wir ja nur befestigte kurze Wege begehen. Wir gingen also zur Herberge, zogen zusätzliche Schichten, Handschuhe, feste Schuhe sowie Mützen an und fuhren los. Mittlerweile fiel der Regen gefroren zu Boden. Als wir an den Blue Lakes vorbei und eine steinige Endmoräne hinauf zum Aussichtspunkt marschierten, hatten wir den Wind im Rücken. Der dicht und fast waagerecht fallende Graupel schränkte die Aussicht auf den Tasman Glacier erheblich ein. Sie reduzierte sich darauf, dass wir einige große Eisberge auf einem See ausmachen konnten. Mit großer Sicherheit befindet sich auch unter diesem See meterdickes Eis, wir zogen die Möglichkeit in Betracht, dass die Eisberge vor unseren Augen nicht frei schwammen, sondern Kontakt zum Eis darunter hatten. Der Abstieg war, wie erwartet, unangenehm, denn nun mussten wir gegen den Wind ankämpfen, der uns Eisstückchen wie Rasierklingen entgegenschleuderte. Nein, keine Verletzungsgefahr, aber ein Gefühl auf den kalten Wangen, welches irgendwo in der Nähe eines Tripelpunktes zwischen "Lustiges Kitzeln", "Unangenehmes Stechen" und "Schneidender Schmerz" anzuordnen ist. Die Augen mit einer Hand schützend kämpften wir uns vorwärts. Auch meine Sonnenbrille leistete gute Dienste. Es war einfach großartig! Auf der Rückfahrt durch das dichte Gestöber merkten wir, dass der langsam in Schnee changierende Niederschlag liegen blieb. Wir aßen im Mountaneer ein deftiges Abendessen (ich: Pizza mit Lachsstücken), Toni und ich wärmten uns anschließend noch in der oben besungenen Sauna auf, danach gingen wir schlafen.
Am Morgen lag eine klebrige Schicht Schnee auf der kaum wiederzuerkennenden Landschaft, der Himmel war wieder klar. Es war merkwürdig, gemäßigten Regenwald, der trotzdem irgendwie tropisch anmutet, in Schnee und Eis versunken zu sehen!

Pause.

Deeeeeeehnen.

Pause in Wanaka.

Ich oben, Rest unten. Wer findet ihn?

Lake Pukaki.

Gestrüppsel.

Geysir im Gänsemarsch.

Lawine am Müller-Gletscher.

Gletschersee.

Mt. Cook.

Bergwanderung, unten links das Dorf.

Ein Gletscher.

Links Tasman Glacier, rechts Aleksi, überall Hagel.

Tasman Valley vom Beifahrersitz aus.

Jugendherberge Mt. Cook.

Schnee am Morgen. Kommt da ein Eiswagen???

Friday, 31 October 2008

Te Anau (22. - 24.10.2008)

Um zehn Uhr brachen wir auf und fuhren zwei Stunden nach Te Anau. Dort verbrachten wir zunächst einen ruhigen Abend, der Jetlag war allerseits noch deutlich spürbar.
Am nächsten Morgen standen wir früh auf. Um acht fuhren wir los an die Westküste, eine Fahrt von gut zwei Stunden, auf der man auch durch den hässlichen, dunklen und engen, unter größtem Aufwand und sogar dem Preis mehrerer Menschenleben von 1935 bis 1954 gebauten Homer Tunnel fährt. Auf der Fahrt im Nationalpark Fiordland sahen wir Landschaften, die alle zuvor gesehenen an extremen Kontrasten noch in den Schatten stellten. Gemäßigte Regenwälder (hauptsächlich aus bemoosten Birken und Farnen bestehend), Gletscher, gigantische Berge, Weiden, trockene Grassteppen, Buschländer, Seen. Westlich der Südlichen Alpen, die sich in Nord-Süd-Richtung über die Südinsel erstrecken, gibt es viel orografischen Regen. Das Jahresniederschlagsmittel beträgt an der Küste teilweise 6000 mm und mehr. Östlich des Gebirges ist es deutlich trockener, daher die Steppenlandschaften. Wir machten so manchen Halt und viele Photos.
An der Westküste fuhren wir mit einem der vielen Ausflugsschiffe den Milford Sound bis an die Tasmanische See herunter. An unserem Boot war nett, dass es etwas kleiner war als die meisten anderen, und das wir praktisch als einzige oben auf dem Deck standen und so eine wunderbare Rundumsicht hatten. Der Milford Sound ist ein Fjord, also durch Gletscheraktivität während Eiszeiten entstanden. Er ist eine enorm faszinierende Landschaft: die ihn eingrenzenden Berge sind bis in eine große Höhe mit dichtem Regenwald bewachsen, obwohl sich ihre Felswände zum Teil fast senkrecht erheben und von so gut wie keinem Erdreich bedeckt sind. Der Regenwald besteht auch hier vorwiegend aus den oben genannten Birken, Farnen und jeder Menge Moos, die allerdings in anderen Anteilen vertreten sind: unter den gegebenen Wachstumsbedingungen ist es kein Wunder, das kleinere Gewächse leichter Halt und Nahrung finden. Ab und zu kommt es vor, das ein Teil der Bewaldung von der Felswand abrutscht; analog zum Schnee nennt sich so etwas treffend eine Baumlawine. Besonders nahe der Mündung des Fjords sonnen sich Seelöwen auf den Felsen.
Wir besuchten Milford Sound an einem sonnigen Tag mit traumhaften Wetter. Nur in etwa zehn nennenswerten Wasserfällen prasselte Regenwasser aus den Bergen in den Fjord. Wenn es, was ständig vorkommt, wie aus Kübeln schüttet, werden die trockenen Schneisen im Wald - wie wir sie zu sehen bekamen - zu reißenden Strömen. Wäre sicher auch sehenswert.
Auf dem Rückweg fuhr das Schiff noch nahe an einen flachen, steinigen Strand. Dort hampelten einige Pinguine herum. Sehr lustige Tiere. Ich träumte von einem Teleobjektiv.

Ganz zuletzt besuchten wir noch die im Fjord gelegene Unterwasseraussichtskapsel (was an der Fauna im Wasser des Milford Sound so besonders ist und warum, wird ein eigener Blogeintrag). Über eine Treppe gelangten wir acht Meter unter die Oberfläche; durch zentimeterdicke Acrylglasscheiben (Made in Germany) begafften wir das lebendige Treiben im eiskalten Wasser. Die Fenster müssen übrigens alle paar Tage geputzt werden. Da hilft Alles nichts: Der lustige, adrette Mann mit Lockenkopf, der die Besichtigung führte, muss sich in ein Taucherkostüm zwängen und mit Bürste und Schamm in die düstere Brühe hüpfen.

Auf der Rückfahrt nach Te Anau machten wir auf einem der zahlreichen Rastplätze mit Aussicht eine lustige Begegnung: die seltenen und für ihr schalkhaftes Auftreten bekannten grünen neuseeländischen Papageien machten ihrem Ruf alle Ehre. Sie hüpften auf unseren Autos herum - wobei sie im Übrigen sichtbare Kratzer fabrizierten - quäkten schrill herum und blinzelten zum Fenster rein. Von Menschenscheu kann keine Rede sein, wenngleich sie einen bemerkenswerten Sicherheitsabstand von einem knappen Meter zu uns hielten und es nicht zu mögen schienen, wenn man diesen nicht einhielt. Wir rätselten, wie gut die Tiere wohl können. Ihre ausgeprägten unerwartet farbenfrohen Flügel verwendeten sie stets nur für ein kurzes Gleiten. Anonsten schienen sie lieber herumzuhüpfen.

Damit war der Tag noch nicht zu Ende: kurz nach der Rückkehr brachen wir erneut auf, diesmal zum Seeufer. Dort brachte uns ein Ausflugsschiff über den Lake Te Anau zu einer berühmten Höhle, bekannt vor allem dafür, dass in ihr eine einzigartige Glühwürmchenart lebt. Zu besichtigen ist nur ein winziges Stück der Höhle, quasi der Eingang. Drinnen ist es keineswegs trocken: der Bach, der die im geologischen Maßstab junge Höhle ursprünglich in den Kalk- und Sandstein gefressen hat, donnert immer noch durch sie hindurch in den See. Zunächst liefen wir ein Stück über einen stilvoll angebrachte Stahlgitter - abwechselnd unter und neben uns der Bach. Unser Führer, ein sympathischer Mann in den Zwanzigern namens Jake, der ein bisschen aussah wie ein Hobbit, musste sich in der Höhle die Seele aus dem Leib schreien, um bei dem Gedröhne gehört zu werden. Wo der Bach breit wurde und langsam floss erreichten wir einen Kai und ein rechteckiges Aluminiumboot mit Stoßdämpfern aus Gummi rundherum, wie man es aus Vergnügungsparks kennt. In diesem fuhr uns Jake, der uns um absolute Stille bat und alle Lichter löschte, durch den weiteren zugänglichen Teil der Höhle. Dies tat er, indem er auf dem Bootsrand stand und sich an einem Stahlseil vorwärts zog. Hatten wir vorher schon Glühwürmchen in der Höhle gezeigt bekommen, sahen wir sie jetzt ohne Jakes Fingerzeig: schwach grünliche Pünktchen an der Decke und den Wänden - fast wie Sterne - in losen Gruppen zu etwa zehn Tieren angeordnet. Regungs- und geräuschlos hängen sie da und leuchten sich ihren Weg entlang des Pfades der Evolution. Schön!
Anschließend gab es Kaffee und Tee, welche ich allerdings verpasste, weil ich stattdessen den kurzen Naturlehrpfad durch den Regenwald sehr gründlich fotografierend absolvierte.

Frühling in Te Anau.

Auf der Fahrt nach Fiordland.



Gemäßigter Regenwald.







Milford Sound.


Kea.

Lake Te Anau.

Tuesday, 28 October 2008

Queenstown (21. - 22.10.2008)

In Queenstown hatten wir noch kein organisiertes Programm. Wir schauten uns ein bisschen in der kleinen Stadt mit sehr interessanten Einfamilienhäusern, die kunterbunt und modern mit viel Holz und Glas gestaltet über die Bergflanken gesprenkelt waren, um. Straßen, in denen die Gebäude Seite an Seite stehen, gibt es nur ein paar in Queenstown; das Zentrum sozusagen.

Queenstown.

Wir aßen - sehr stilecht - mexikanisch. Bei wunderbarem Wetter saßen wir anschließend noch ein wenig am malerischen Seeufer herum.

Das Seeufer.

Der Baum, auf den wir später kletterten.

Ilkka, Toni und ich kletterten in einen Baum, dessen massive Äste über den See ragten, und tranken darin fläzend neuseeländisches Bier. (Überraschend gut!)

Sunday, 26 October 2008

NZ08 - Von Suomi nach Aotearoa.

Am Samstag vor dem Abflug nach Neuseeland ging ich gegen neun ins Bett, um vorm Antritt der langen Reise wenigstens sieben Stunden geschlafen zu haben. Allerdings konnte ich, teils aufgrund der so entstehenden Vorverlegung meines gewohnten Schlafrythmuses, teils aufgrund der Aufregung vor der Reise partout nicht einschlafen, so dass aus den sieben Stunden nur etwa zwei wurden...

Einkaufszentrum Munkkivuori, 05:15.

Am Flughafen Helsinki Vantaa ist das Leben sehr unkompliziert und so saßen wir rechtzeitig im Flugzeug nach London Heathrow. Drei Stunden, die ich größtenteil Schlafschulden abstotternd verbrachte. In London waren etwa sieben Stunden Zeit, bis der "eigentliche" Teil der Reise, nämlich Flug NZ001 über Los Angeles nach Auckland, begann. Deshalb war ich enorm verblüfft, als die Gruppe nach unserer Ankunft nicht den Ausgang, sondern direkt den Transitbereich für Anschlussflüge ansteuerte. Da ein paar schon durch die Sicherheitskontrolle gegangen waren, konnte ich erst drinnen meinen Vorschlag zum Ausdruck bringen, doch nach London City zu fahren, anstatt sieben Stunden lang an diesem öden Flughafen totzuschlagen. Toni sah das auf Anhieb genau so, wir konnten noch Sanni, Sofia und Aleksi für unseren kleinen Metropolen-Stoßtrupp gewinnen. Ilkka, Elina, Ilona und Anni entschieden sich, am Flughafen zu bleiben.

In der Nähe des Buckingham Palace.

Mit der Metro fuhren wir zur Station Green Park (45 min hin, 55 min zurück), spazierten gut zwei Stunden entspannt durch die Innenstadt und schauten uns einige der Standardsehenswürdigkeiten an (Big Ben, Buckingham Palace, Houses of Parliament, Trafalgar Square etc.), aßen gut bei Subway, und waren überpünktlich zurück am Flughafen, mit dem Gefühl, genau das Richtige getan zu haben. -> Abflug.

Trafalgar Square, London.

Die nächsten 11 Stunden vergingen. Wie, weiß ich nicht genau, aber sie packten es irgendwie ohne mein Zutun. Ich schaute ungefähr zwei Filme auf meinem Bildschirm (The Queen, Die Reifeprüfung mit Dustin Hoffman sowie Teile von irgendeinem Indiana Jones und so), schlief eher wenig, las, hörte ein bisschen Musik und aß und trank gut.

Los Angeles war der finsterste Teil der Reise, was nicht wörtlich zu nehmen ist, denn als wir die zweistellige Millionenstadt am späten Abend erreichten, kam es mir vor, als würden wir auf einem goldenen See landen. Ich meine damit das ewige Schlangestehen vor den albernen Homeland Security-Kontrollen, deren Sinn ich nicht verstehe, da wir anschließend sofort zurück ans Gate gingen. Wir haben doch das Land gar nicht betreten!

Der im finsterste Abschnitt eigentlichen Sinne des Wortes kam erst nach Los Angeles: der Pazifische Ozean. Die 12 Stunden Flugzeit waren allesamt in tiefste Finsternis gebettet.
Irgendwann in der Dunkelheit stellte ich fest, dass das kleine Flugzeugsymbol auf meinem Bildschirm gerade ziemlich genau in der Mitte eines großen dunkelblauen Kleckses am Vorankriechen war. Ein kleiner, blinkender Punkt über einer endlosen Wasserfläche, wo das nächste Festland nur eine winzige Insel ist - weiß der Teufel, wie sie von Polynesiern oder einem anderen Volk vor vielleicht über tausend Jahren entdeckt wurde.

Streets of London.

Die Zeit als absolutes Maß verlor enorm an Bedeutung. Ich dachte daran, dass bei Raummissionen die Uhr beim Start zu laufen beginnt und jede Zeitangabe in Tagen, Stunden, Minuten und Sekunden nach ebendiesem stattfindet. Auch unterwegs versuchte ich manchmal zu rechnen, wieviele Stunden vergangen waren, seit ich mein warmes Bett verlassen hatte.

In Auckland angekommen zeigten wir Pässe und die im Flugzeug ausgefüllten Formulare vor. In Letzteren geht es, genauso wie bei den folgenden Kontrollen am Flughafen darum, das versehentliche oder bewusste Einschleppen von fremden Pflanzen-, Pilz- und Tierarten zu verhindern. So liefen etwa viele Spürhunde mit ihren Führerinnen an der Gepäckausgabe herum und machten alles Essbare ausfindig, was daraufhin untersucht wurde. Alles halb so wild: anders als die blöden Yankees waren die neuseeländischen Grenzer und "Biosecurity"-Beamten sehr freundlich. Sogar die Spürhunde waren süß.

Von Auckland flogen wir direkt weiter nach Queenstown. Auf dem Fußweg zum Terminal für Inlandsflüge machten wir erste Bekanntschaft mit der sicher gewahrten heimischen Flora. Der Flug entpuppte sich als ausgesprochen interessant; schließlich flogen wir über das gesamte Land. Bei klarem Himmel bedeutete das spektakuläre Aussichten auf schneebedeckte Berge, türkisfarbene Seen, blaue Flüsse und Agrarflächen. Die durchschnittliche Einwohnerdichte, die etwa mit der Finnlands gleichkommt, machte sich bemerkbar: es waren nur kleine Siedlungen zu sehen.

Auch unser Ziel Queenstown passte in diese Kategorie. Wir landeten auf einem schön gelegenen, von Bergen umgebenen Flughafen. Es war sonnig, wir aufgeregt und müde.

Saturday, 18 October 2008

Aotearoa, Uusi-Seelanti, Neuseeland, New Zealand.

Manche wissen es vielleicht schon von meinen Erzählungen her: morgen früh fliege ich zusammen mit 8 Geophysikstudenten nach Neuseeland. Für mich, der ich Europa bisher nur ein Mal verlassen habe (Connecticut und New York im Herbst 2005) eine ungewohnt exotische Reise. Und dann gleich in das von Helsinki aus so ziemlich am weitesten entfernte Ziel, das der Geoid zu bieten hat.

So schaut's aus: Start ist am Sonntagmorgen zu unchristlicher Stunde am Flughafen Helsinki/Vantaa. Über Paris und Los Angeles geht es nach Auckland (Millionenstadt und mit Abstand größte Stadt Neuseelands). Auckland liegt ganz im Norden des Landes, und wir fliegen von dort aus sofort weiter nach Queenstown im Süden.


Von da an ist road trippin' angesagt und mit gemieteten Autos klopft unsere neunköpfige Gruppe drei Wochen lang die beiden großen Inseln von Süden nach Norden systematisch ab. Der Rückflug geht wieder von Auckland aus. Davor gibt es jede Menge zu erleben: wir werden unter anderem Vulkane, heiße Quellen und Gletscher vor die Linse bekommen, Museen und das Hobbitdorf aus dem Filmset von Herr der Ringe besuchen, Bungeespringen (ohne mich, Höhenangst!), Waale begaffen, Schwefel riechen, Kolonialzeitbauten beaugapfeln, vielleicht Haka tanzen und auf einem Gletschersee herumpaddeln.


Ich werde berichten, sobald der Jetlag nachlässt. Aber jetzt mach ich Schluss, Torsti und ich machen uns noch einen schönen Abend mit Futurama (eine Zeichentrickserie), dann Heia. Schließlich muss ich um 4:00 aufstehen.

Die Bilder zeigen Munkkiniemi vor etwa einer Woche; die letzten Tage, die noch etwas Sommerliches an sich hatten.

Friday, 17 October 2008

Die Dunkle Seite der Physik

Da ich durch die Alumnitagung des EK sowie die noch bevorstehende Neuseelandreise (über die ich selbstverständlich noch einen Blogeintrag schreiben werde) diesen Herbst Vorlesungen, Übungen und Prüfungen an der Uni verpasse, habe ich dieses Semester bewusst solche Kurse belegt, deren Inhalt mich nicht besonders reizt, aber trotzdem wichtig und sinnvoll zu lernen ist: Elektronik, Messtechnik, Programmieren, mathematische Methoden. [Siehe Titel.] Nicht, dass ich mich falsch ausdrücke: Im Grunde finde ich diese Fächer schon interessant, aber sehr trocken und auch mühsam zu lernen. Seit letztem Jahr steht Statistik übrigens nicht mehr auf dieser grauen Liste; nicht zuletzt dank meinem guten Lehrer Kimmo Vehkalahti. Ich hoffe, das hört meine Mama gerne!


Einen Nachteil hat die Sache: Zum ersten Mal, seit ich an der Uni studiere, habe ich Schwierigkeiten, mich zum Lernen zu motivieren... Aufgaben werden so lange aufgeschoben, bis es nicht mehr geht. Zum Glück klappt diese Methode überraschend gut, auch wenn sie vielleicht nicht den maximalen Lernerfolg verspricht.


Jaja, die Prokrastination: mein schlimmester Feind, aber vielleicht auch gar kein so schlechter Freund von mir. Denn während ich die eigentliche Arbeit meide, erledige ich alles Mögliche andere; zum Teil auch Dinge, die thematisch im Grunde in mein Studium fallen. Akademische Prokrastination also auch als Motor. Noch etwas ist interessant: während ich "alltägliche" Aufgaben wie Rechenübungen meide wie den Teufel, gehe ich größere und wichtigere Projekte wie Referate und Aufsätze heutzutage viel zielstrebiger an als noch vor einem Jahr.


Die Photos zeigen meinen Heimatstadtteil Munkkivuori und das angrenzende Munkkiniemi, wie sie zur Zeit aussehen. Nur das Wetter ist mies: seit gestern N i e s e l r e g e n.